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Die Gneisenau liegt am 03.09.1939 vor Anker auf Brunsbüttel
Reede. Kapitän zur See Förste gibt der versammelten Mannschaft
den Beginn der Feindseligkeiten mit Frankreich und England bekannt.
In der Folgezeit werden:
- Die Kraft- und Ruderboote von Bord gegeben
- Das mobilmäßig vorgesehene Personal steigt ein
- Übungsmunition wird von Bord gegeben
- Gefechtsmunition wird aufgefüllt
- Die Mützenbänder mit der Aufschrift des Schiffes ausgetauscht
gegen neutrale mit der Aufschrift Kriegsmarine
- Die Schiffswappen am Bug entfernt
Ein erster Fliegerangriff auf die Gneisenau findet bereits am 04.09.1939
statt; drei zweimotorige Bomber fliegen auf das Schiff gegen 18:03
Uhr in einer Höhe von 1500 Metern zu, werden mit der schweren
Bordflak beschossen und drehen ab, ohne Bomben zu werfen.
Am 08.09.1939: Marsch durch den Kanal nach Osten. Wegen Ausfall
der Backbord-Maschine geht die Gneisenau in die Werft; anschließend
Übungen in der östlichen Ostsee.
07. bis 09.10.39: Auslaufen der Gneisenau zusammen mit dem Kreuzer
Köln und den Zerstörern Wilhelm Heidkamp, Friedrich Ihn,
Diether von Roeder, Karl Galster, Max Schulz, Paul Jakobi, Bernd
von Arnim, Erich Steinbrink und Freidrich Eckoldt in die nördliche
Nordsee. Der Verband hat die Aufgabe, größere britische
Flottenteile auf sich aufmerksam zu machen und diese in den Bereich
der deutschen Luftwaffe und einer bereitstehenden U-Boot-Standlinie
zu ziehen. Zwar wird der Verband von der englischen Luftaufklärung
entdeckt, es erfolgt aber keine Feindberührung.
21.11.1939: Gneisenau (Kommandant Kapitän zur See Förste)
und Scharnhorst (Kommandant Kapitän zur See K. C. Hoffmann)
unter Führung von Admiral Marschall verlassen Schillig Reede
zu einem Vorstoß nach Norden. Ihre Aufgabe ist, englische
Bewachungsstreitkräfte in der Enge zwischen den Faröern
und Island zu vernichten und nach Möglichkeit weiter nach Westen
vorzustoßen, dort aufzuklären and ggf. deutschen auf
dem Heimweg befindlichen Handelsschiffen zu helfen. Starker Nordsturm
zwingt zunächst zu einer Fahrtverminderung auf 20 kn.
23.11.1939: Gegen 16.00 Uhr kommt eine Rauchfahne in Sicht, unter
der langsam ein großer, grauer Passagierdampfer erkennbar
wird. Standort und Bewegungen lassen ihn als Hilfskreuzer ausmachen.
Er läuft, auf einen Warnschuss der Scharnhorst hin, ab und
nebelt sich durch Schornsteinqualm und über Bord geworfene
Nebelfässer ein, auch versucht er, sich durch häufige
Kursänderungen dem inzwischen einsetzenden Feuer der Artillerie
der Scharnhorst zu entziehen. Da die Scharnhorst dem Gegner durch
ihre Stellung in der Dwarslinie erheblich näher steht, liegt
ihre Artillerie als erste und wirkungsvollste am Ziel, während
die Gneisenau erst später eingreift. Der Hilfskreuzer, 16 601
BRT groß, 8 x 15-cm-Geschütze, stellt sich später
als der bekannte Passagierdampfer Rawalpindi der P & O-Linie
heraus, der zwischen England und Ostasien verkehrt. Dieses Schiff
versinkt in 14 Minuten in den Fluten. Es ist aber sehr wichtig,
dass es nicht durch Funken, das Feuer seiner Artillerie und durch
Schiffsbrand andere, größere Gegner heranlockt.
Die Besatzung der Rawalpindi verteidigt sich tapfer, immer und
immer wieder sieht man zwischen brennenden Schiffsteilen das Aufblitzen
von Abschüssen. Ein längsseit kommendes Boot mit Überlebenden
wird in Empfang und die Männer über Jakobsleitern an Bord
genommen. Der größte Teil der Besatzung geht mit dem
Schiff in die Tiefe. Die Rawalpindi hatte beim ersten Sichten der
beiden deutschen Schiffe Alarm gegeben und die Flottenführung
in Scapa Flow und weitere in See befindliche Seestreitkräfte
unterrichtet.
Obwohl Admiral Marschall in dieser Nacht ein beträchtliches
Stück Richtung Nordsee hätte laufen können ohne bemerkt
zu werden, befürchtet er bei Helligkeit frühzeitig durch
englische Luftaufklärung erfasst zu werden. Er entschließt
sich daher, zuerst nach Osten und dann nach Norden auszuweichen.
Er verhält zunächst im Seeraum von etwa 66° N und
5° O, marschiert dann nach Süden zum Durchbruch durch die
erwartete britische Aufklärungslinie, macht aber am 25. um
17.00 Uhr noch einmal kehrt nach Norden, da die Wetterverhältnisse
für einen Durchbruch ungünstige scheinen.
Am 26. wird die Wetterlage mit südlichen Winden bis zu Stärken
8 bis 10 wie erhofft günstig, und die beiden Schiffe laufen
nun mit hoher Fahrt nach Süden. Kein Gegner wird gesichtet,
nur einige schwer in der hohen See arbeitende Fischkutter und weit
entfernt ein kleiner Dampfer.
Bei der hohen Fahrt gegen eine schwere See nehmen Gneisenau und
Scharnhorst viel Wasser über. Auf beiden Schiffen fallen die
Türme Anton durch Feuchtigkeit und Kurzschluß aus, auch
andere Seeschäden an Waffen werden festgestellt. Der Rückweg
wird angetreten. Die Schiffe erreichen ohne Feindberührung
die heimischen Gewässer und ankern am 27. November mittags
auf Wilhelmshaven Reede. Während die Scharnhorst in Wilhelmshaven
ihre Seeschäden repariert, geht die Gneisenau durch den Kaiser-Wilhelm-Kanal
zum gleichen Zweck nach Kiel. Sie erledigt gleichzeitig eine planmäßige
Werftüberholung. Am 15. Dezember geht die Gneisenau zum Einsetzen
neuer Schrauben und Durchführen kleinerer Reparaturen ins Schwimmdock,
dass sie am 29. wieder verlässt.
Am 03.01.1940 verholt die Gneisenau für acht Tage zum Scheerhafen
zum Abstimmen der Artillerieanlagen. Danach folgen Übungen
in der Kieler Bucht.
27.01.1940: Gemeinsames Auslaufen mit der Scharnhorst nach Osten.
Meilenfahrten vor Neukrug (auf der Frischen Nehrung). Anschließend
Kaliberschießen und zurück nach Kiel. Der Schlachtkreuzer
boxt sich mühselig durch das dicke Eis in den Hafen hinein
und bleibt dort unterhalb Hotel Bellevue im Eis liegen. Nach zwei
Tagen gelingt es das Schiff langsam im dicken Eis zu drehen und
in die Schleuse hinein zu steuern. Um 10.00 Uhr aus der Schleuse,
mit wenig Fahrt durch den vereisten Nord-Ostsee-Kanal, Nachts in
Brunsbüttel, weiter am nächsten Morgen, dann Ankern bei
Feuerschiff Elbe 3, um U-Bootgefährdetes Gebiet in der Nordsee
erst bei Dunkelheit zu passieren. Bei pechschwarzer Nacht geht die
Gneisenau ankerauf. Nach dieser Überfahrt nach Wilhelmshaven
ankert das Schiff dort am 6. Februar früh. Unregelmäßige
Schraubengeräusche deuten darauf hin, dass die Steuerbordschraube
bei der Fahrt durch den Kanal beschädigt worden ist. Die Gneisenau
dockt am 10. Februar ein. Am nächsten Morgen wird deutlich,
dass beide Außenschrauben stark verbogen und größere
Teile herausgebrochen sind. Beide Schrauben müssen ersetzt
werden, am 15.02., nach dem Auswechseln, dockt die Gneisenau wieder
aus.
Am 16. verholt das Schiff in die 3. Einfahrt und füllt den
Ölbestand auf. Die Decken der drei 28-cm-Türme werden
gelb gepönt. Nachmittags steigt die Flotte mit Unterstab ein.
Gleichzeitig steigen die chinesischen Wäscher für die
Dauer der Unternehmung auf das der Gneisenau zugeteilte Hilfsschiff
Gazelle um; das deutsche Zivilpersonal jedoch bleibt an Bord. Abends
Auslaufen und Ankern vor Wangerooge.
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