| Die Luftaufklärung des Gegners
hatte das Einlaufen in Brest natürlich erkannt, und nun setzte
er im rollenden Einsatz Flugzeuge an, um die wie auf einem Präsentierteller
und praktisch vor der Haustür liegenden schweren Einheiten
durch Bomben und Lufttorpedos auszuschalten. Der erste Angriff erfolgte
in der Nacht vom 30./31. März. Dieser und auch der folgende
vom 3./4. April blieben ohne Erfolg, aber am 6. April schließlich
erhielt die GNEISENAU einen Torpedotreffer. Auf der SCHARNHORST
wurden in den folgenden Wochen die erforderlichen Überholungsarbeiten,
insbesondere in der Maschinenanlage, durchgeführt. Wegen der
Luftbedrohung schiffte ein Teil der Besatzung ständig und im
Wechsel aus, anfangs divisionsweise Unterbringung in einem Hotel
in Roscoff, später in Barackenlagern bei Landerau/La Roche.
Im Juli konnten die Maschinenanlagen erprobt werden.
Um die starke Konzentration von schweren Einheiten in einem Hafen
aufzuheben - inzwischen lag auch der Schwere Kreuzer PRINZ EUGEN
in Brest - verlegte die SCHARNHORST am 23. Juli nach La Pallice.
Aber auch diese Maßnahme erkannten die Briten schnell und
reagierten. Am 24. Juli führten 12 »Halifax« einen
Luftangriff auf die SCHARNHORST durch. Zwei Maschinen wurden durch
Flak und Jäger abgeschossen, die übrigen zehn beschädigt.
Von den in zwei Serien abgeworfenen Bomben trafen insgesamt fünf.
Drei davon drangen durch bis zum Doppelboden und waren glücklicherweise
Blindgänger. Die beiden übrigen richteten schwere Schäden
im Schiffsinnern an. Andere Bomben waren Nahtreffer. Sie fielen
zwischen Bordwand und Torpedonetz. Alle fünf Treffer lagen
an der Steuerbordseite. Die erste und vierte Bombe durchschlugen
das gepanzerte Oberdeck, das Batterie- und Zwischendeck und detonierten
im Panzerdeck. Die zweite, dritte und fünfte Bombe durchdrangen
alle Decks und traten durch die Außenhaut wieder aus. Sie
hatten Wassereinbrüche zur Folge. Das Schiff krängte um
8 Grad nach Steuerbord, sofortiges Gegenfluten verkleinerte den
Winkel dann auf 2 Grad.
Der Angriff hatte bewiesen, daß der Hafen von La Pallice
als Liegeplatz genauso gefährdet war wie Brest. Da es dort
außerdem an geeigneten Werftkapazitäten fehlte, mußte
die SCHARNHORST zurück nach Brest, um dort einzudocken. Im
August kehrte sie nach Brest zurück und verblieb dort bis 1942.
Während der folgenden Monate wurden neben der Reparatur der
Bombenschäden auch verschiedene Änderungen vorgenommen.
So kamen Torpedorohre zum Einbau. Auf die Turmdecken der vorderen
15cm-Türme installierte man 2-cm-Vierlinge. Da die Einheiten
weiterhin durch Luftangriffe gefährdet waren, andererseits
nach dem Untergang der BISMARCK davon auszugehen war, daß
ein weiterer Einsatz im Handelskrieg nicht mehr stattfinden würde,
galten die Überlegungen der Seekriegsleitung der weiteren Verwendung.
Und dazu mußten sie raus aus Brest. Zahlreiche Pläne
wurden ausgearbeitet, es gab praktisch nur zwei Möglichkeiten:
Durchbruch in die Heimatgewässer über die Route des Nordatlantiks
oder durch die Meerenge Dover-Calais. Beide Wege waren gefährlich,
der erstere barg die Gefahr des Zusammentreffens mit der weit überlegenen
britischen »Horne Fleet«, der letztere führte an
der »Haustür« des Gegners vorbei. Dort standen
zahlreiche schwere Küstenbatterien, von dort aus konnten massierte
Torpedoangriffe durch Zerstörer und Schnellboote erfolgen,
und da war die Bedrohung aus der Luft. Andererseits würde ein
Durchbruch durch die Enge des Ärmelkanals auchin der Reichweite
der zu diesem Zeitpunkt noch relativ starken eigenen Luftwaffe stattfinden.
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