| Am 13. Februar schleuste die SCHARNHORST
um 1230 Uhr durch die III. Einfahrt nach Wilhelmshaven ein, machte
gegen 1500 Uhr an ihrem Liegeplatz am Fliegerdeich (Seydlitzbrücke)
fest, und am 14. dockte sie im 40000-t-Dock ein. Die Untersuchungen
ergaben, daß die Schäden durch die beiden Minentreffer
doch umfangreicher waren als angenommen. Der Schiffs- und Doppelboden
bedurfte an zwei Stellen der Erneuerung: einmal auf 90 m Länge
und einmal auf 35 m Länge. Bei den Waffen waren einige Türme
aus den Lagern gehoben, und der Zustand der Fundamente der Hauptmaschinen
und auch einiger Hilfsmaschinen war bedenklich. In diesem Fall mußten
die Anlagen aufgenommen und völlig überholt werden. Die
Forderungen hinsichtlich der Maschinenüberholung wurden vorerst
und überwiegend abgelehnt.
Zur Instandsetzung und Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft
wurde die SCHARNHORST am 14. Februar nach Kiel verlegt. Zuvor statteten
der OBdM, Großadmiral Raeder und der Flottenchef, Admiral
Schniewind, dem Schiff in Wilhelmshaven noch einen Besuch ab. Der
am 26. Februar auf Kiel geführte große Luftangriff verschonte
die nahe der eingedockten GNEISENAU liegende SCHARNHORST. Bereits
im Juli 1942 fanden die ersten Probefahrten statt, die jedoch unbefriedigend
verliefen. Daher verlegte die SCHARNHORST nach Gotenhafen, wo die
endgültige Instandsetzung erfolgen sollte. Im November verholte
sie erneut ins Dock. Dem Docken schlossen sich abermalige Probefahrten
an, die zugleich mit intensiver Ausbildung verbunden wurden. In
dieser Zeit wurden auch Versuche mit einem Notruder gemacht (aufgrund
Vorgang PRINZ EUGEN). Am 23.2.1942 torpedierte das britische Uboot
TRIDENT die PRINZ EUGEN. Das Heck knickte ab, noch mit eigener Kraft
erreichte das Schiff Drontheim. Das Notruder wurde erst in Drontheim
für die Rückkehr nach Kiel eingebaut.
Am 22. Dezember 1942 erfolgte der vom Fachpersonal befürchtete
Zusammenbruch der Maschinenanlage. Der Ausfall betraf die Anlagen,
die man meinte, nicht kontrollieren zu müssen. Nun rächte
sich, daß man den Wünschen und Forderungen des Bordkommandos
nicht gefolgt war. Inzwischen war befohlen worden, die SCHARNHORST
- neben anderen schweren Einheiten - nach Norwegen zu verlegen.
Sie trat die Überführungsfahrt mit nur zwei Wellen an.
Die Überführungsfahrt nach Norwegen begann am 10. Januar
1943. Die Führung des aus SCHARNHORST, dem Schweren Kreuzer
PRINZ EUGEN und den Zerstörern FRIEDRICH IHN. PAUL JACOBI und
Z 24 bestehenden Verbandes hatte Admiral Schniewind. Die Fahrt mußte
aufgrund der Luftbedrohung abgebrochen werden. Am 11. Januar lagen
alle Einheiten wieder in Gotenhafen. Am 23. Januar startete unter
dem Decknamen »Domino« der nächste Versuch, die
SCHARNHORST und PRINZ EUGEN nach Norwegen zu verlegen. Als Sicherung
fuhren die Zerstörer Z 37 und ERICH STEINBRINCK. Auch dieser
scheiterte, und am 27. Januar war man wiederum zurück in Gotenhafen.
Während dieser Fahrt wurden die begleitenden Zerstörer
von der SCHARNHORST mit Brennstoffversorgt. Dabei platzte infolge
bereits voller Bunker bei einem Zerstörer der Übernahmeschlauch,
und das kostbare Heizöl ergoß sich über das Oberdeck.
In diese Zeit fiel auch der Befehl Hitlers zur Außerdienststellung
aller schweren Einheiten, Grund war das vorangegangene Desaster
in der Sylvesternacht, bei dem die beiden Schweren Kreuzer LÜTZOW
und ADMIRAL HIPPER beim Angriff auf einen Geleitzug auf starke britische
Kräfte gestoßen waren und den Angriff hatten abbrechen
müssen.
Am 31. Januar übernahm der zum Großadmiral ernannte
B.d.U., Admiral Dönitz, den Oberbefehl über die Kriegsmarine.
Ihm gelang es schließlich, zumindest einen Teil der großen
Schiffe vor der Außerdienststellung zu retten, bzw. deren
Außerdienststellungstermin hinauszuzögern. So blieb der
SCHARNHORST dieses unrühmliche Ende erspart.
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