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Gegen Jahresende mehrten sich die Anzeichen, daß ein Einsatz
des Schiffes bevorstand. Ziel war ein von der deutschen Aufklärung
erkannter Geleitzug mit 19 Schiffen, der nach Murmansk gehen sollte.
Am 22. Dezember kam die Bestätigung. Die Entscheidung fiel
schnell. Am 24. hieß es dann überraschend Seeklar für
das Unternehmen »Ostfront 1700«. Der aus der SCHARNHORST
und der 4. Z-Flottille mit den Zerstörern Z 38, Z 29, Z 30,
Z 33 und Z 34 bestehende Verband stand unter Führung des auf
der SCHARNHORST eingestiegenen Ed.Z., Konteradmiral Bey (in Vertretung
des Kampfgruppenführers, Admiral Kummetz). Auf der SCHARNHORST
befanden sich zu dieser Zeit: 45 Offiziere plus fünf Offiziere
(Kampfgruppenstab) und dem zusätzlich eingeschifften II.AO
der TIRPITZ, 379 Unteroffiziere plus 14 Unteroffiziere (Kampfgruppenstab),
davon 73 Portepee-Unteroffiziere und 320 Obermaate/Maate -, 1438
Mannschaften plus 14 Mannschaftsdienstgrade (Kampfgruppenstab),
außerdem fünf Oberfähnriche, 34 Offizier-Anwärter
und 33 Reserve-Offizier-Anwärter, insgesamt 1968 Mann.
Am 25. gegen 1700 liefen die deutschen Einheiten aus, und um Mitternacht
war der freie Seeraum erreicht. Der B-Dienst des Gegners hatte das
deutsche Unternehmen von Beginn an erkannt, die entsprechenden deutschen
Funksprüche waren aufgefangen worden und lagen innerhalb kürzester
Zeit entschlüsselt auf dem Tisch, so daß die Royal Navy
in der Lage war, entsprechende Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
Die britischen Seestreitkräfte, die als Deckung für
den Geleitzug fungierten, bestanden aus zwei Kampfgruppen: Force
I und Force II. Die integrierten Einheiten waren das Schlachtschiff
DUKE OF YORK, der Schwere Kreuzer NORFOLK und die Leichten Kreuzer
JAMAICA, BELFAST und SHEFFIELD. Hinzu kamen acht Zerstörer.
Die Wetterlage war schlecht: Sturm aus Süd 8-9, Seegang 6-7,
Voraussage für den 26. Dezember: Rechtsdrehend auf Südwest
6-8, schwere Südwestdünung, bedeckt, Regen, Sicht 3-4,
zeitweise 10 sm, in der Barentsee Schneetreiben. Aufgrund der zunehmend
schlechter werdenden Wetterlage entschließt sich der deutsche
Verbandsführer, die Zerstörer baldmöglichst zu entlassen.
Am 25. Dezember hatten die deutschen Schiffe die norwegischen Gewässer
verlassen, ihr Ziel war der Geleitzug JW 55A. Was unbekannt war:
Auf Gegenkurs fuhr der Rückläufer RA 55A. Um 0339 Uhr
erhielt der britische CinC Kenntnis darüber, daß sich
die SCHARNHORST in See befand. Zu diesem Zeitpunkt stand die deutsche
Kampfgruppe etwa 115 sm südöstlich der Bären-Insel,
die britische Force 1 etwa 137 sm ostsüdöstlich der Bären-Insel,
die Force II etwa 270 sm westlich vom Nordkap. Die SCHARNHORST wurde
dann zweimal von Kreuzern der Force I gesichtet, es kam zu kurzen
Schußwechseln. Gegen 1300 Uhr drehte SCHARNHORST auf südlichen
Kurs, also Richtung Küste. Die Force I hielt Fühlung,
Force Il ging auf einen Auffangkurs. Bei dem kurzen Schußwechsel
hatte die SCHARNHORST zwei Treffer erhalten: Eine 20,3-cm-Granate
durchschlug das Batteriedeck in Abt.IX, detonierte aber nicht, die
andere zerstörte das im Vormars sitzende Funkmeßgerät.
Um 1617 Uhr ortete die DUKE OF YORK mit ihrem Feuerleitradar Typ
284 den Gegner auf 42000 m und um 1632 Uhr auf 28000 m. Acht Minuten
später erging an den Kreuzer BELFAST der Befehl, Leuchtgranaten
zu schießen, und nochmals vier Minuten später drehte
die DUKE OF YORK nach Steuerbord, um ihre Breitseite ins Treffen
zu bringen. Nachdem die DUKE OF YORK um 1648 Uhr ihrerseits 13,3-cmLeuchtgranaten
geschossen hatte, eröffnete sie um 1650 Uhr das Feuer mit ihrer
schweren Artillerie (35,6-cm-Geschütze). Die Entfernung betrug
etwa 11000 m. Die erste Salve lag schon deckend, ein Treffer setzte
den 28-cm Turm A außer Gefecht. Um 1652 Uhr eröffnete
der Kreuzer JAMAICA auf 12000 m Entfernung das Feuer. Die dritte
Salve lag deckend, ein Treffer konnte beobachtet werden.
Die SCHARNHORST wurde völlig überrascht, denn durch
den Ausfall ihres eigenen Radars war sie blind. Sie drehte ab nach
Norden, traf hierbei gegen 1657 Uhr aber auf die Force I, und jetzt
schossen die Kreuzer NORFOLK und BELFAST. Um 1708 Uhr wechselt die
SCHARNHORST den Kurs auf Ost und erhöht zugleich ihre Geschwindigkeit.
Die Briten konzentrieren sich von nun an darauf, das Schiff zum
Stoppen zu bringen, denn wenn das nicht gelingt, entkommt der Gegner.
Die britischen Zerstörer erhalten daher um 1713 Uhr den Befehl,
den Gegner mit Torpedos anzugreifen, haben es aber angesichts des
erschwerten Fahrens gegen die See schwer, auf Angriffsposition zu
gelangen. Um 1742 Uhr ist die SCHARNHORST bereits etwa 16500 m entfernt
und nur noch durch die SA der DUKE OF YORK zu erreichen. Diese erzielt
dabei einige glückliche Treffer: Die Lüftungseinrichtung
des 28-cm-Turms B wird getroffen, der Turm muß wegen der giftigen
Gase verlassen werden. Eine Granate dringt in den Kesselraum 1,
was eine kurzzeitige Fahrtverminderung auf 10 kn zur Folge hat.
Aber schon bald wieder wird sie auf 20 kn gesteigert. Um 1820 Uhr
stellt die SCHARNHORST ihr Schießen ein, vier Minuten später
auch die DUKE OF YORK.
Der eine Treffer im Kesselraum mit der zwangsläufig damit
verbundenen Fahrtverminderung hatte den Zerstörern aber gereicht,
die SCHARNHORST zu überholen, sich vorzusetzen und damit auch
zum Torpedoangriff zu kommen. Um 1840 Uhr und 1900 Uhr folgten zwei
Angriffe: insgesamt 28 Torpedos wurden gefeuert. Vier davon trafen:
Steuerbord vorn und mittschiffs, Backbord vorn und achtern. Die
britischen Einheiten schlossen heran, und um 1901 Uhr eröffneten
DUKE OF YORK und JAMAICA auf 9500 m das Feuer. Auf der SCHARNHORST
war nur noch der 28-cm Turm C intakt. Das Schiff machte noch knapp
10 kn Fahrt. Um 1916 Uhr stellte auch Turm C das Schießen
ein, nur einige der 15-cm-Geschütze feuerten weiter. Um 1930
Uhr hörte die DUKE OF YORK auf zu schießen. Jetzt waren
wieder die Torpedos an der Reihe: Der Kreuzer JAMAICA erzielte zwei
Treffer, die Torpedos der Zerstörer MUSKETEER und VIRAGO je
drei.
Um 1945 Uhr explodierten die Magazine, die SCHARNHORST versank
in den eisigen Fluten des Nordmeeres. Von den 1968 Mann wurden nur
36 gerettet. |