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Der Untergang der Bismarck am 27. Mai 1941 übte keinen großen
Einfluß aus auf die Überzeugung der deutschen Seekriegsleitung
(SKL), daß einzelne große Überwassereinheiten in
der Lage waren, den britischen Geleitzugverkehr im Atlantik ohne
großes eigenes Risiko zu stören.
Hitler, als Oberbefehlshaber der deutschen Wehrmacht, befahl jedoch,
daß weitere Handelsstörmaßnahmen zu unterbleiben
hätten, wenn damit das Risiko des Verlustes eines Großkampfschiffes
verbunden sei. Diese Weisung war bindend und beschränkte von
Beginn an die Laufbahn der Tirpitz, als sie im September 1941 zu
ihrer ersten vorsichtigen Unternehmung auslief, und sie währte
bis September 1944, als britische Flugzeuge ihre Seefähigkeit
zerstörten.
Ungeachtet der Weisung Hitlers, befahl die SKL der Lützow
im Juni 1941, nach Trondheim zu verlegen. Dort sollte sie sich auf
einen Durchbruch in den Atlantik vorbereiten. Sie erreichte Trondheim
nicht, denn am 13. Juni wurde sie südlich Lindesnes von Bristol
Beaufort-Flugzeugen der 114. RAF-Staffel torpediert und mußte
zur Reparatur nach Kiel zurückkehren. Hitler hatte gegen das
Vorhaben gestimmt, und die SKL befand sich in einer schlechten Position,
als sie Anfang September vorschlug, die Tirpitz, gemeinsam mit dem
Schweren Kreuzer Admiral Hipper, aus der Ostsee nach Brest zu verlegen.
Von dort aus konnten sie erfolgreich gegen den alliierten Schiffsverkehr
operieren, ohne das Risiko, erst die Sperren bei den Britischen
Inseln und die Minenfelder zwischen den Shetlands und Island durchfahren
zu müssen. Anhand einer Kopie des Bismarck-Einsatzbefehls wurde
dieses Vorhaben von Hitler abgelehnt, der dabei vom Befehlshaber
der Schlachtschiffe (BdS), VAdm Otto Ciliax, unterstützt wurde.
Alle fürchteten eine Wiederholung des Bismarck-Desasters mehr
als eine beabsichtigte (und vorteilhafte) Konzentration in Brest.
Durch den Angriff auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 hatte der
Krieg neue Dimensionen angenommen. Die Ostsee war Kriegsschauplatz
geworden, obgleich die deutsche Seeherrschaft dort durch die Sowjetflotte,
mit ihrem Hauptstützpunkt in Kronstadt am Ende des Finnbusens,
nie in Frage gestellt wurde. Etwa ab Mitte September war die baltische
Küste in deutscher Hand und ab Ende des Monats wurde Leningrad
eingeschlossen. Der erste Einsatz der Tirpitz erfolgte zwischen
dem 26. und 29. September, als sie, begleitet vom Schweren Kreuzer
Admiral Scheer, von Leichten Kreuzern, Zerstörern, Torpedo-
und Minensuchbooten, vor den Aalandinseln auf und ab stand, um einen
eventuellen Ausbruch der Sowjetflotte zu verhindern. Die blieb jedoch
bis 1944 in ihren Häfen. Nach diesem Einsatz beschloß
die SKL, Tirpitz und Admiral Hipper nach Norwegen zu verlegen. Dort
würden sie eine wertvolle Hilfe für die deutsche Ost front
sein, indem sie die nach Osten fahrenden PQGeleitzüge angriffen,
die Nachschub von Großbritannien nach Nordrußland brachten.
Der erste von insgesamt 40 solcher Geleitzüge war im August
1941 von Island abgefahren und hatte Archangelsk und Murmansk erreicht.
Die deutschen schweren Einheiten würden aber auch den Widerstand
verstärken, der für den deutschen Küstengeleitverkehr
entlang der norwegischen Küste erforderlich war, um sich der
Angriffe der Royal Navy zu erwehren.
Hitler stimmte diesem Plan zu, denn seit im März 1941 ein
britisches Kommandounternehmen gegen die Lofoten stattgefunden hatte,
lebte er in der ständigen Furcht einer Invasion in Norwegen.
Norwegen war für Deutschland von außerordentlich wirtschaftlichem
und militärischem Wert. Hochwertiges Eisenerz aus dem Gällivaredistrikt
in Schweden, das Grundlage für den großen Kriegsbedarf
Deutschlands war, konnte das ganze Jahr hindurch von Narvik/Nordnorwegen
aus verfrachtet werden. Obwohl der Weg durch die Ostsee kürzer
war und völlig frei von britischer Luftbedrohung, der schwedische
Hafen Lulea, ebenfalls zum Gällivaredistrikt gehörend,
war den ganzen Winter hindurch und bis in das Frühjahr hinein
dichtgefroren. Ein weiterer wichtiger Rohstoff war das finnische
Nickel, das aus dem hoch im Norden liegenden - und ebenfalls eisfreien
Hafen - Petsamo kam (heute zur UdSSR gehörig und Petschenga
genannt).
Militärisch galt Norwegen als Sprungbrett für den Angriff
auf Nordrußland mit dem Hauptziel des Haupthafens, Murmansk.
Die zahllosen Fjorde eigneten sich außerdem als Stützpunkte
für die deutschen Kriegsschiffe, die so unter Umgehung der
Sperren in der Nordsee und bei den britischen Inseln operieren konnten.
Die deutschen Streitkräfte, die Murmansk einnehmen sollten,
waren nicht stark genug, und heftige russische Gegenangriffe brachten
den Vormarsch innerhalb eines Monats zum Stehen. Das wichtige anglo-russische
Verbindungsglied blieb erhalten und Hitler wurde mit der Gefahr
einer britischen Landung in Norwegen konfrontiert. Angesichts dieser
Besorgnis, die er auf einer Besprechung im Dezember 1941 geäußert
hatte ... Jedes Schiff, das nicht in norwegischen Gewässern
ist, befindet sich am falschen Platz ...", weigerte Hitler
sich nicht, der Verlegung der Tirpitz nach Norwegen zuzustimmen,
aber es mußte durch die SkL sichergestellt sein, daß
sie ohne Schaden auch dort hinkam. Am 12. Januar 1942 verließ
die Tirpitz Kiel, verlegte durch den Nordostsee-Kanal nach Wilhelmshaven,
wurde ausgerüstet und lief dort in der Nacht vom 14./15. Januar
wieder aus. Am 16. Januar erreichte sie Trondheim. Auf diese Weise
umging Tirpitz die Passage durch den Großen Belt zwischen
Dänemark und Schweden. Die Durchführung der Verlegung
erwies sich als vorteilhaft, denn die britische Luftaufklärung
erfaßte die Tirpitz nicht. Das gelang erst eine Woche später,
als sie schon in Trondheim war, ein bemerkenswertes Versagen der
Alliierten, denn im gleichen Zeitraum hätte das Schiff auch
Brest erreichen können, um sich mit den dort befindlichen Schlachtkreuzern
zu vereinigen. In der Tat, es war vorgesehen, daß sich die
Schlachtkreuzer mit ihr treffen sollten, und einen Monat nachdem
Tirpitz Trondheim angelaufen hatte, verließen Scharnhorst,
Gneisenau und der Schwere Kreuzer Prinz Eugen Brest und durchbrachen
den Englischen Kanal mit Kurs auf Wilhelmshaven. Beide Schlachtkreuzer
wurden zwar durch britische Flugzeugminen beschädigt, aber
wieder hatte die RAF versäumt, das Unternehmen rechtzeitig
zu erfassen.
Am 21. Februar klappte es dann besser, als Aufklärer Prinz
Eugen und Admiral Scheer auf ihrem Kurs nach Norden vor der dänischen
Küste sichteten, wie Tirpitz zuvor auf dem Weg nach Trondheim.
Anstrengungen, den deutschen Verband zu bekämpfen, hatten nur
bedingten Erfolg. Torpedobomber der RAF verfehlten die Schiffe,
eine Suche von Fairey Albacore-Torpedobombern des Flugzeugträgers
Victorious fand zwar im richtigen Gebiet statt, aber das Wetter
war zu schlecht. So kam nur das Uboot Trident zu einem erfolgreichen
Torpedoschuß, der das Ruder der Prinz Eugen traf und im Achterschiff
erhebliche Schäden hervorrief. Das Einlaufen der Admiral Scheer
und von fünf unbeschädigten Zerstörern in Trondheim
war für die Deutsche Marine eine merkliche Verstärkung.
Tirpitz selbst war seit ihrem Eintreffen in Trondheim ziemlich untätig
gewesen, die ihr als Ubootschutz und für Aufklärungszwecke
zugeteilten Zerstörer waren nach Brest verlegt gewesen, um
den Heimatkurs der Schlachtkreuzer zu sichern. Dem Schlachtschiff
war es somit unmöglich gewesen, gegen den Geleitzug PQ 8 tätig
zu werden, und es wurde auch nicht angesetzt gegen die von der deutschen
Aufklärung erfaßten Geleitzüge PQ 9, 10 und 11.
Obwohl Hitler befohlen hatte, die Luftwaffe in Norwegen zu verstärken,
damit eine lückenlose Seeaufklärung sowie starke Angriffe
durchgeführt werden konnten, waren die geforderten Verbände
noch nicht eingetroffen; es waren bis dahin nur ein Dutzend Langstreckenaufklärer
vorhanden und eine ähnliche Anzahl Fernkampfflugzeuge.
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