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Tirpitz hatte nunmehr seit über einem Jahr nicht mehr gedockt,
und weil es auch sonst an dringenden Überholungen mangelte,
wurde die Zahl der auftretenden Störungen an den Geschützen
und Feuerleitanlagen, den Kesseln und Hauptturbinen sowie den verschiedenen
elektrischen Anlagen langsam besorgniserregend. Alles erforderte
einer gründlichen Instandsetzung, wenn die volle Gefechtsbereitschaft
erhalten bleiben sollte. Aber angesichts des Kommandantenwechsels,
Kapitän zur See Topp wurde abgelöst, wollte Hitler einer
Verlegung nach Deutschland nicht zustimmen, aber auch nicht, weil
er immer noch eine alliierte Landung in Norwegen für möglich
hielt.
Am 23. Oktober verließ Tirpitz die Bogenbucht und kehrte
nach Trondheim in den Faettenfjord zurück. Dort sollte sie
überholt werden. Reparaturen und Überholungen wurden in
Abschnitten durchgeführt, so daß das Schiff niemals völlig
einsatzunfähig war. Trotz der provisorischen Einrichtungen
und der weiten Entfernung der Stützpunkte und deren Fachpersonal
wurden überraschend viele der notwendigen Arbeiten durchgeführt.
Während dieser Zeit fand ein überraschender Angriff auf
die Tirpitz statt, durchgeführt von einer norwegisch-britischen
(Royal Navy-)Gruppe, die dazu ein "organisiertes" Fischerboot,
die Arthur, benutzte, das von den Shetlands zwei Chariots (Zweimanntorpedos)
nach Norwegen transportierte. Nach Erreichen der Küste vor
Trondheim, am 30. Oktober, wurden die Chariots zu Wasser gelassen
und von Arthur geschleppt, deren norwegischer Kapitän, Leif
Larsen, die deutschen Vorpostenboote mit Hilfe gefälschter
Dokumente passierte. In den frühen Morgenstunden des 31. Oktober
hatte Arthur alle Kontrollen passiert, aber bedingt durch das unruhige
Wetter, rissen sich die Chariots los und versanken. Die vier Norweger
und sechs Briten versenkten nun auch Arthur und schlugen sich über
die Berge nach Schweden durch. In einem Geplänkel mit Grenzwachen
wurde ein Brite verwundet und ergab sich. Unter dem Verhör
der Gestapo gab er zu, daß er zu einer Gruppe von Unterwassersaboteuren
gehört hatte. Aufgrund einer Weisung Hitlers, daß Angehörige
von Kommandounternehmen in Norwegen nicht als Soldaten anzusehen
seien, wurde er im Januar 1943 hingerichtet.
Diese neue Art eines Unternehmens überraschte die deutsche
Marine völlig, und es wurden Maßnahmen ergriffen, die
Tirpitz mit Schutznetzen zu versehen. Die Unterwasserhorchanlagen
wurden aktiviert, die Wachboote mit Wasserbomben ausgerüstet.
Die Kontrolle und Überwachung des einheimischen Verkehrs wurde
ebenfalls verschärft, obwohl hinsichtlich der Wichtigkeit Trondheims
als ein Zentrum des norwegischen Handels und seiner Verwaltung die
verstärkte Kontrolle sehr viel Marinepersonal erforderte. Während
das Fehlen umfassender Verteidigungsanlagen bemängelt wurde,
stellte das örtliche Marinekommando fest, daß ab Dezember
1942 lediglich 14 einsatzbereite Bf 109 F-Jäger (von der IV.
Gruppe des JG 5) zur Verteidigung der wichtigsten Einheiten der
deutschen Marine und des Gebietes um Trondheim zur Verfügung
stehen würden.
Nach Abschluß der Überholungen war Tirpitz ab 28. Dezember
einsatzbereit und ab dem 24. Januar 1943 wieder voll gefechtsbereit.
Sie führte im Gebiet von Trondheim Ausbildungsvorhaben durch,
die aufgrund der langen Überholungszeit dringend erforderlich
geworden waren. Dies dauerte bis zum 5. März, danach folgte
sie dem Befehl, in die Bogenbucht zu verlegen. Dort sollte sie mit
Scharnhorst und Lützow zusammentreffen. Am 11. März lief
sie aus und erreichte ihr Ziel in der Nacht vom 12./13. März
unentdeckt. Einige Tage später lief dieser "Narvik"-Verband
zu Übungen aus, die in See stattfanden, um daran anschließend
im Altafjord vor Anker zu gehen.
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