Das Wrack der Bismarck heute
Bisher fanden verschiedene Tauchfahrten zum Wrack der Bismarck statt. Zum Teil brachten diese Expeditionen erstaunliche Erkenntnisse zu Tage, die man nicht ohne weiteres hätte vermuten können.
Übersicht über die Tauchexpeditionen:
| Organisation |
Expeditionsleiter |
Mutterschiff |
Ausrüstung / U-Boot |
Jahr |
| Woods Hole Oceanographic Institute |
Robert Druce Ballard |
Star Hercules |
ROV Argo |
1989 |
| Deep Ocean Expeditions |
Mike McDowell |
R/V Akademik Mstislav Keldysh |
Submersibles Mir I und Mir II |
2001 |
| Bluewater Recoveries für Channel 4/ITN Factual |
David Mearns |
M/V Northern Horizon |
ROV Magellan |
2001 |
| Earthship TV für Discovery Channel und IMAX |
James Cameron |
R/V Akademik Mstislav Keldysh |
Submersibles Mir I und Mir II |
2002 |
| Deep Ocean Expeditions |
Mike McDowell |
R/V Akademik Mstislav Keldysh |
Submersibles Mir I und Mir II |
2002 |
Im Juni 1989 fand Dr. Robert D. Ballard, Entdecker des Wracks der Titanic, das Wrack der Bismarck. Sie liegt in einer Tiefe von 4.790 Metern auf dem Meeresboden.
Obwohl die Bismarck während ihres letzten Gefechts hunderte schwere Treffer aus nächster Nähe erhielt, ist das Wrack noch in einem gutem Zustand. Es fehlen alle schweren Türme, die beim Sinken abgefallen sind (Sie wurden nur von Ihrem Eigengewicht gehalten). Ebenso fehlt der Schornstein und zahlreiche Decksaufbauten, ein Stück vom Heck fehlt ebenso (scheinbar Aufgrund eines Strukturschadens beim Sinken abgerissen, ausgelöst durch den Torpedotreffer, der die Ruderanlage beschädigte). Trotzdem sind die Türme und Geschütze der Mittelartillerie noch alle vorhanden und fast unbeschädigt, ebenso die Artillerieleitstände. Der Kommandostand selber weist einen "Kernschuß" auf. Des weiteren fand bereits Ballard, daß die Aufbauten zwar großteils zerstört wurden durch den Granatenhagel, jedoch keine Treffer (wie sich später herausstellte nur ein bisher entdeckter) ins Innere gedrungen sind.
Der Rumpf weist auf keine Implosionen hin, die dardurch entstehen, wenn ein Schiff sinkt und noch nicht vollständig geflutet ist. Alle weiteren Fakten zum Wrack der Bismarck sind in Dr. Ballard´s Buch "Die Entdeckung der Bismarck" zu finden.
Weiteren Aufschluss über die Schwere der Treffer auf der Bismarck haben die weiteren Tauchexpeditionen zur Bismarck erbracht und zum Teil erstaunliches Bildmaterial zu Tage gefördert.
Am interessantesten ist jedoch eine Aussage von James Cameron über den Rudertreffer an der Bismarck, der letztendlich ihr Schicksal besiegelte: Laut der Aussagen Überlebender nahm man bisher an, dass die Ruder auf Grund des Torpedotreffers im Ruderraum der Bismarck verklemmt wurden. Durch die Expedition von James Cameron haben sich (laut ihrm) neue Tatsachen ergeben. Dadurch, dass man mit ferngesteuerten Unterwasser-Kleinstrobotern (ROV´s) wesentlich näher die Einschlagsstelle des Torpedos betrachten konnte zeigt sich folgendes Bild:
Der Torpedotreffer hat das Steuerbord-Ruder der Bismarck in der Nähe des Ruderschafts getroffen und es in einen 90-Grad Winkel gebogen, so dass das Ruder praktisch unterhalb des Schiffsrumpfes lag. Daraufhin wurde das so beschädigte Ruder wiederholte Male von der mittleren Schiffsschraube getroffen und es kam dazu, dass die mittlere Schiffsschraube sich nicht mehr drehen konnte (sich "festfrass"). Die Position des so beschädigten Ruders hatte nun auf das Schiff den Effekt einer Backbord-Drehung.
Über die von Cameron gemachte Aussagen kann man sich streiten, da absolut nichts davon von Überlebenden berichtet wurde; Wir nehmen an, daß zwar das Ruderblatt durch die Schraube zerstört und weiter verkeilt wurde, jedoch dieses nicht die Schraube selbst behinderte.
Hier sind Aufnahmen und Filme von den Tauchgängen zur Bismarck vom Channel4 zu finden : http://www.channel4.com/history/microsites/H/hood/
Weitere zum Teil hochwertige Aufnahmen sind in Cameron´s Reportage "Die Bismarck - Geheimnisvolle Expedition zur deutschen Titanic" zu finden. Ein Manko ist jedoch, daß die Qualität der Dokumentation leider etwas gelitten hat in Punkto Wissenschaftlichkeit und historische Betrachtungsweise.
Selber versenkt oder versenkt worden?
Nun, da so viel Bildmaterial vorliegt muß man zweifelsohne feststellen, daß die Bismarck duch die bis zu ihrem Sinken erhaltenen Treffer nicht von selber gesunken wäre. Sicherlich hätten die britischen Streitkräfte sie früher oder später versenkt, da sie keinerlei Gefechtswert zu diesem Zeitpunkt mehr hatte, jedoch haben die eingleiteten Selbstversenkungsmaßnahmen zweifelsohne das Schiff sinken lassen. |