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tabellarischer Lebenslauf der Gneisenau

25.01.1934

Der Bauvertrag wird mit den Deutschen Werken Kiel abgeschlossen und unter dem Namen Panzerschiff E in Auftrag gegeben (Ersatz Hessen).

14.02.1934

Kiellegung.

05.07.1934

Baustopp und Abbruch des vorhandenen Materials, da die ursprünglichen Konstruktionspläne verworfen und neue Spezifikationen erstellt wurden.

06.05.1935

Offizielles Datum der erneuten Kiellegung (beginn bereits im März 1935).

08.12.1936

Stapellauf auf der Werft der Deutschen Werke in Kiel. Die Taufrede hält Freiherr von Fritsch, die Taufe selber wird von der Witwe des KzS Maerker, der mit seinem Schiff gleichen Namens bei den Falklandinseln im Gefecht 1914 untergegangen war, durchgeführt. Dabei verlief der Stapellauf nicht wie geplant - das Abbremsen des schweren Schiffskörpers schlug fehl und die Gneisenau rammte die gegenüberliegende Kaimauer. Das Schiff erlitt dabei keinen größeren Schaden, lediglich die Kaimauer wird um 4 Meter eingedrückt.

21.05.1938

Indienststellung der Gneisenau unter dem Kommando von Kapitän zur See Erich Förste.

02.06. - 12.06.1939

Die Gneisenau nimmt als Flottenflagschiff bei den Flottenübungen teil.

12.06. - 26.7.1939

Grosse Atlantikreise der Gneisenau von Kiel aus zu den Kanarischen Inseln, Madeira und der Strasse von Gibraltar.

30.6.38 - 08.7.1938

Die erste große Seereise der Gneisenau. Sie führt vom Kiel aus durch den Großen Belt, durchs Skagerrak, entlang der norwegischen Küste bis in die Höhe von Bergen, dann nach Westen und nördlich um die Shetland-Inseln herum, die Inseln St. Kilda umlaufend, weiter nördlich der Hebriden und durch den Pentland Firth, nördlich Scapa Flow und zurück über die Nordsee durch das Kattegat nach Kiel.

Juli - September 1938

Erprobungs- und Übungsfahrten in der Ostsee.

22.08.1938

Stapellauf des schweren Kreuzers Prinz Eugen; Während dieses Tages besichtigte Adolf Hitler auch die Gneisenau. Als Gast zur Zeremonie und der anschliessenden Flottenparade (mit den Schiffen Admiral Graf Spee, Admiral Scheer. Deutschland, Nürnberg, Leipzig und Köln) war der ungarische Regent Admiral Nikolaus von Horthy.

20.09.1938

Erstmaliges Einlaufen der Gneisenau in Wilhelmshaven. Sie geht dort ins Schwimmdock, welches sie nach 10 Tagen wieder verlässt und nach Kiel zurückkehrt.

30.09.38 - 01.6.1939

Erprobungs- und Übungsfahrten, zum Teil im Atlantik. Der Heimathafen bleibt ab Anfang 1939 Kiel.

Januar 1939

Umbau des Vorschiffs, Wegfall des geraden Stevens, dafür Atlantikbug. Aufsetzen einer Schrägkappe auf den Schornsteinmantel.

26.07. - 03.09.1939

Gefechtsübungen in der Deutschen Bucht.

03.09.1939

Die Gneisenau liegt vor Anker auf Brunsbüttel Reede. Kapitän zur See Förste gibt der versammelten Mannschaft den Beginn der Feindseligkeiten mit Frankreich und England bekannt.

04.09.1939

Erster Fliegerangriff auf die Gneisenau; drei zweimotorige Bomber fliegen auf das Schiff gegen 18:03 Uhr in einer Höhe von 1500 Metern zu, werden mit der schweren Bordflak beschossen und drehen ab, ohne Bomben zu werfen.

08.09.1939

Marsch durch den Nord-Ostsee-Kanal nach Osten. Wegen Ausfall der Backbord-Maschine geht die Gneisenau in die Werft; anschließend Übungen in der östlichen Ostsee.

07. - 09.10.39

Auslaufen der Gneisenau zusammen mit dem Kreuzer Köln und den Zerstörern Wilhelm Heidkamp, Friedrich Ihn, Diether von Roeder, Karl Galster, Max Schulz, Paul Jakobi, Bernd von Arnim, Erich Steinbrink und Freidrich Eckoldt in die nördliche Nordsee. Der Verband hat die Aufgabe, größere britische Flottenteile auf sich aufmerksam zu machen und diese in den Bereich der deutschen Luftwaffe und einer bereitstehenden U-Boot-Standlinie zu ziehen. Zwar wird der Verband von der englischen Luftaufklärung entdeckt, es erfolgt aber keine Feindberührung.

21.11.1939

Gneisenau (Kommandant Kapän zur See Förste) und Scharnhorst (Kommandant Kapän zur See K. C. Hoffmann) unter Führung von Admiral Marschall verlassen Schillig Reede zu einem Vorstoß nach Norden. Ihre Aufgabe ist, englische Bewachungsstreitkräfte in der Enge zwischen den Faröern und Island zu vernichten und nach Möglichkeit weiter nach Westen vorzustoßen, dort aufzuklären and ggf. deutschen auf dem Heimweg befindlichen Handelsschiffen zu helfen.

23.11.1939

Gegen 16.00 Uhr kommt eine Rauchfahne eines Schiffes in Sicht, welches sich als der Hilfskreuzer Rawalpindi entpuppt und nach einem 14-Minütigem Gefecht sinkt.

26.11.1939

Am 26. wird die Wetterlage mit südlichen Winden bis zu Stärken 8 bis 10 wie erhofft günstig, und die beiden Schiffe laufen nun mit hoher Fahrt nach Süden. Bei der hohen Fahrt gegen eine schwere See nehmen Gneisenau und Scharnhorst viel Wasser über.

27.11.1939

Die Schiffe erreichen ohne Feindberührung die heimischen Gewässer und ankern mittags auf Wilhelmshaven Reede. Während die Scharnhorst in Wilhelmshaven ihre Seeschäden repariert, geht die Gneisenau durch den Kaiser-Wilhelm-Kanal zum gleichen Zweck nach Kiel. Sie erledigt gleichzeitig eine planmäßige Werftüberholung.

15.12.1939

Am 15. Dezember geht die Gneisenau zum Einsetzen neuer Schrauben und Durchführen kleinerer Reparaturen ins Schwimmdock

29.12.1939

Ausdocken.

03.01.1940

Für acht Tage im Scheerhafen zum Abstimmen der Artillerieanlagen.

15.01.1940

Auslaufen in die Kieler Bucht zu Übungsfahrten. Trotz Schneesturmes gelingen am 8. Januar Tag- und Nachtabkommschießen. Das Schiff läuft für zwei Tage wieder ein.

27.01.1940

Gemeinsames Auslaufen mit der Scharnhorst nach Osten. Meilenfahrten vor Neukrug. Anschließend Kaliberschießen der beiden Schlachtschiffe mit Schwerer Artillerie gegeneinander. Danach zurück nach Kiel. Das Schlachtschiff kämpft sich mühselig durch das dicke Eis in den Hafen hinein und bleibt dort im Eis liegen. Nach zwei Tagen gelingt es mit vielen Schraubenmanövern, das Schiff langsam im Eis zu drehen und in die Schleuse hinein zu steuern, was insgesamt 2 1/2 Stunden dauert. Um 10.00 Uhr aus der Schleuse, mit wenig Fahrt durch den vereisten Kanal. Nachts in Brunsbüttel, weiter am nächsten Morgen, dann Ankern bei Feuerschiff Elbe 3, in der Nachts geht die Gneisenau ankerauf.

06.02.1940

In der Früh ankern in Wilhelmshaven: Unregelmäßige Schraubengeräusche deuten darauf hin, dass die Steuerbord-Schraube wahrscheinlich bei der Eisfahrt durch den Kanal beschädigt worden ist.

10.02.1940

Die Gneisenau dockt am 10. Februar ein. Am nächsten Morgen wird deutlich, dass beide Außenschrauben stark beschädigt sind. Beide müssen ersetzt werden.

15.02.1940

Auswechseln der Schrauben und Ausdocken.

16.02.1940

Am 16. verholt das Schiff in die 3. Einfahrt und füllt den Ölbestand auf. Die Decken der drei 28-cm-Türme werden gelb gemalt. Nachmittags steigt der Flottenstab ein.

17.02.1940

Abends Auslaufen und Ankern vor Wangerooge.

18.02.1940

Beginn der Operation Nordmark. Mittags ankerauf. Der Verband besteht aus den Schlachtschiffen Gneisenau und Scharnhorst, dem Schweren Kreuzer Admiral Hipper und den Zerstörern Wilhelm Heidkamp, Karl Galster, Wolfgang Zenker, dazu vier weiteren Schiffen, die sich aber später zu einer eigenen Handelskrieg-Unternehmung im Kattegatt trennen. Abends muss die Wolfgang Zenker wegen plötzlichen Wassereinbruchs in einer Abteilung nach Hause abdrehen. Bei sehr heller Nacht weiter nach Norden durch die Shetland-Enge. Auf große Entfernung wird ein aufgetauchtes U-Boot gesichtet.

19.02.1940

Bei Morgengrauen außer vielen Fischdampfern mit holländischer Flagge nichts zu sehen. Zur Tarnung wird die englische Kriegsflagge gesetzt. Vormittags setzen beide Schlachtschiffe zur Aufklärung ein Bordflugzeug ein, ohne Ergebnis. Nachmittags Rückmarsch, da mit feindlichem Geleitzug nicht mehr zu rechnen. Nachts Alarm, ein U-Boot in Sicht; es taucht bald und wird von Wilhelm Heidkamp mit Wasserbomben beworfen.

20.02.1940

Bei Hellwerden: Aufnahme des Verbandes durch drei weitere Zerstörer; abends, bei Hochwasser, erfolgt das Einschleusen in Wilhelmshaven.

22.02.1940

Ein Kran nimmt die achtere Flugzeugschleuder, die auf der Decke vom Turm Cäsar montiert war, von Bord, desgleichen den großen Umsetzkran achtern, der zur Bedienung der Schleuder gehört. Die Gneisenau verholt für einige Tage auf Schillig Reede zum Flak-Schießen.

13.03.1940

Die Gneisenau setzt die Vizeadmiralsflagge von Admiral Lütjens.

05.04.1940

Englische Aufklärer über der Jade.

06.04.1940

Vizeadmiral Lütjens spricht zur Besatzung. Abends bringt der Flottentender Gazelle den Flottenstab mitsamt Akten an Bord. Um 24.00 Uhr: "Alle Mann achteraus" zur Ansprache des Kommandanten. Im gleichen Augenblick 3/4 Stunden lang Aufklärung und Angriffe mehrerer englischer Flugzeuge, kein Treffer und kein Abschuss.

07.04.1940

Beginn der Operation Weserübung. 00.30 Uhr seeklar. Auslaufen mit der Scharnhorst; auf See kommen der Schwere Kreuzer Admiral Hipper und 14 Zerstörer aus der Weser hinzu, jeder von ihnen mit 200 Mann Gebirgsjägern an Bord. Unter dem Schutz der Scharnhorst und Gneisenau werden zehn Zerstörer unter Führung von Kommodore Bonte bis zum Vestfjord, südlich der Lofoten, und dann allein nach Narvik zur Durchführung ihrer Aufgabe gehen, während die Admiral Hipper, mit Konteradmiral Schmundt an Bord, und vier Zerstörern Drontheim besetzen. Um 14.30 Uhr greifen zwölf englische Bomber an, werfen mehrere Bomben, die aber nicht treffen. Diese Maschinen gehörten zu 24 Flugzeugen die einen vergeblichen Angriff gegen Sylt geflogen haben. Der Verband steht um 22.00 Uhr westlich Bergen; Formation: die drei großen Schiffe, dahinter in Kiellinie die 14 Zerstörer.

08.04.1940

Um 06.00 Uhr auf der Höhe von Drontheim, 30 sm von der Küste entfernt. Um 21.00 Uhr wird der Führer der Zerstörer (FdZ) mit seinen Schiffen nach Narvik entlassen. Die beiden Schlachtschiffe stehen nachts mit geringer Fahrt von der Küste ab mit generellem Nordkurs.

09.04.1940

Um 05.00 Uhr, tritt die sogenannte "Weserzeit" in Kraft, zu der nach Plan die dazu abgeteilten Schiffe in die vorgesehenen Häfen einlaufen sollen: die Alarmglocke ertönt. Alles läuft auf die Gefechtsstationen. Bb querab wird ein großes Kriegsschiff in der beginnenden Dämmerung festgestellt, das sich bald als der britische Schlachtkreuzer Renown erweist. Um 05.05 Uhr Feuereröffnung der Renown, die Gneisenau-Artillerie erwidert das Feuer um 05.11 Uhr. Nach wenigen Salven endet das Gefecht. Eine erste Bestandsaufnahme der Schäden ergibt: 1. Treffer: 38-cm-Geschoß durchschlägt den Vormarsmast unterhalb der Vormarsplattform; da sie glücklicherweise keinen empfindlichen Kopfzünder hat, detoniert die Granate erst nach Durchschlagen des Mastes auf dessen anderer Seite. Die Splitter töten sechs Mann im Vormars und verwunden zwei weitere, durchschlagen mehrere Artilleriekabel, beschädigen die Optiken zweier Zielgeber im Vorderen Artillerieleitstand und eine Reihe anderer, frei liegender Kabel. 2. Treffer: 11,4-cm-Geschoß detoniert am Turm Anton und zerstört die Bb-Haubentür des Entfernungsmeßgerätes, die dabei abgeschlagen wird, so dass die schwere See durch diese große Öffnung in den Turm eindringen kann. 3. Treffer durch ein 11,4-cm-Geschoß, das die Bb achtere Flak leicht beschädigt. Nach offizieller britischer Darstellung hat die Renown zwei schwere Treffer erhalten.

10.04.1940

Der Verband weicht weiter nach Norden aus, erreicht morgens etwa 70° N, 7° O.

12.04.1940

Gneisenau und Scharnhorst sind auf dem Rückmarsch, bei Hellwerden stehen sie querab der Orkney-Inseln. Vormittags ist ein englischer Fühlungshalter über den Schiffen, vier Staffeln Bomber starten zum Angriff, finden den Verband aber nicht. Mittags taucht die Admiral Hipper aus dem Nebel auf und schließt sich an. Abends Einlaufen Jade.

21.04.1940

Die Gefallenen vom 9. April werden auf dem Ehrenfriedhof in Wilhelmshaven beigesetzt.

23.04.1940

Auf die Jade verholt.

23.04.1940

Auslaufen nach Osten, bis Bornholm hinter Nautilus mit ihrem KFRG. Vor Gotenhafen finden Überlaufversuche über Magnetminen zum Erproben der eingebauten Kabelbündel-MES-Anlage, welche die Wirkung der Magnetminen aufheben soll. Anschließend Flakschießen vor Pillau und Kaliberschießen gegen das Zielschiff Hessen in der Nähe von Bornholm. Danach zwei Tage Kiel.

26.04.1940

Die Gneisenau geht zu kurzer Dockzeit nach Bremerhaven in das große "Kaiserdock II".

29.04.1940

Die Gneisenau dockt aus und verlegt zurück nach Wilhelmshaven.

04.05.1940

Fernschreiben der Flotte mit dem Befehl, dass Gneisenau, Scharnhorst, Admiral Hipper, Nürnberg und drei Zerstörer beschleunigt zu Übungen in die Ostsee gehen sollen.

05.05.1940

09.00 Uhr seeklar. Gegen 11.47 Uhr ereignet sich vor der Elbemündung am Heck eine Detonation, anscheinend eine kleinere U-Boot- oder Flugzeugmine. Das Schadensergebnis: Stb-Wellentunnel und zwei Lasten in Abt. II laufen voll. Zwangsaufenthalt durch die Minendetonation da Niedrigwasser einsetzt und über die flachen Stellen zwischen Cuxhaven und Brunsbüttel nicht gefahren werden kann.

06.05.1940

Mit Kopfschlepper hinter einem M-Boot mit Räumgerät durch den Kanal und abends ins Schwimmdock. Eine Untersuchung ergibt, dass äußerlich nur einige kleinere Risse zu sehen sind, wahrscheinlich aber sind Spanten und andere tragende Verbände beschädigt. Die Schiffsführung rechnet mit einer Reparaturdauer von 14 Tagen.

20.05.1940

Die SA-Türme der Gneisenau, bis auf Turmdecken gelb gestrichen, werden rot angemalt.

21.05.1940

Verholen an die Boje A12, an der Munition übernommen wird.

04.06.1940

Beginn der Operation Juno. Unter Führung des Flottenchefs Admiral Wilhelm Marschall; Gneisenau, Scharnhorst, Schwerer Kreuzer Admiral Hipper mit Konteradmiral Schmundt und vier Zerstörern unter Führung des FdZ Kapitän zur See Bey: Hans Lody (v. Wangenheim), Hermann Schoemann (Detmers), Erich Steinbrinck (Johannesson) und Karl Galster (v. Bechtolsheim). Zusätzliches U-Bootgeleit durch die Torpedoboote Jaguar und Falke bis Skagen. Der Verband marschiert hinter einem großen Sperrbrecher bis Südende Großer Belt, wo sich der Führer der Minensuchverbände Ost, Konteradmiral Stohwasser, mit seinem Führerboot Hay vor die Schiffe setzt.

05.06.1940

Die Kampfgruppe läuft dicht an der schwedischen Küste entlang und geht unter Geleit der 1. R-Flottille durch die Skagen-Sperrlücke, sie holt wegen eines gemeldeten Feind-U-Bootes weit nach Westen aus und geht dann auf nördliche Kurse. Ein Flugzeug wird auf 60 km ausgemacht,

06.06.1940

Sehr schlechte Sicht, teilweise nebelig. Die Schiffe passieren außer Sicht Stadlandet, später mehrere Drontheim vorgelagerte Inseln. Sie steuern Treffpunkt mit dem Tanker Dithmarschen an, der um 19.00 Uhr erreicht wird.

07.06.1940

Mit 45° und 5 bis 7 kn steuern die Schiffe langsam nach Nordosten, bis Admiral Hipper gegen Abend ihre Ölübernahme beendet hat. Mittags steht der Verband auf 68° 45' Nord, 1° 17 Ost. Um 20.30 Uhr ist Sitzung der Kommandanten und Chefs beim Flottenchef auf der Gneisenau. Sie kommen von allen Seiten längsseit. Der Verband liegt während dieser Stunden gestoppt. Admiral Marschall hielt es für zweckmäßig, über Lage und über Feindnachrichten zu informieren. Da Harstad wiederholt als Ziel der Unternehmung befohlen worden war, nahm der Flottenchef nach dieser Sitzung mit dem Verband Kurs auf den Vaagsfjord zur Durchführung der Aufgabe. Am Abend wird der Funkspruch eines Aufklärungsflugzeuges aufgenommen, nach dem es über Harstad nur von einem Kanonenboot beschossen worden sei, der Hafen scheine leer zu sein. Aufgrund dieses FT entschließt sich Marschall, auf den Geleitzug zu operieren.

08.06.1940

Gegen 06.00 Uhr Sichtung eines Tankers mit kleinem Bewacher. Die Mittelartillerie der Gneisenau versenkt den Tanker, Admiral Hipper den Bewacher. Gegen Mittag wird vom Vormars auf 50 000 m ein großer Dampfer mit zwei Schornsteinen gesichtet, weiter ab fährt ein kleinerer Dampfer. Admiral Hipper bekommt Befehl, das größere Schiff zu versenken, das andere wird beim Näherkommen als Lazarettschiff erkannt, das unbehelligt weiterlaufen kann. Mittags werden die Hipper und die vier Zerstörer nach Drontheim zur Brennstoffergänzung entlassen. Während die beiden Schlachtschiffe nach Norden zur Ölübernahme aus der Dithmarschen laufen, wird um 17.00 Uhr auf rund 50 km Entfernung eine Mastspitze gemeldet. Die Kampfgruppe dreht sofort auf sie zu. Es handelt sich um den Flugzeugträger Glorious, eskortiert von zwei Zerstörern. Die Scharnhorst steht in der breiten Dwarslinie der beiden Schiffe näher am Gegner. Sie eröffnet daher das Feuer. Die Gneisenau fällt bald mit. Nicht lange nach Feuereröffnung sinkt der Zerstörer Ardent, zehn Minuten später kentert die Glorious mit fast der gesamten Besatzung. Der zweite Zerstörer, die Acasta, fährt weiterhin Angriffe auf den Verband. Ihre letzten Torpedos werden auf eine Höchstschußentfernung abgefeuert, bis sie kurz darauf versinkt. Die Scharnhorst erhält in diesem Gefecht einen Treffer achtern in Abt. III und IV.

09.06.1940

Befehl von der Gruppe West mit beiden Schlachtschiffen nach Drontheim zu gehen. Am 9. Juni kommen vier Zerstörer zum U-Bootgeleit entgegen, dazu als weitere Sicherung einige "He 115" und "Me 109". Um 16.00 Uhr wird vor Drontheim geankert. Die Gneisenau Munition aus dem Dampfer Alstertor.

10.06.1940

Gneisenau, Admiral Hipper und vier Zerstörer laufen erneut aus. Nachdem die Luftwaffe wegen Wetterverschlechterung ihre Aufklärung einstellt hat, geht der Verband auf Ostkurs und steuert schließlich Drontheim wieder an.

11.06.1940

Ankern in Drontheim. Einige Zerstörer kommen längsseits, um Öl zu übernehmen. Zweimal Fliegeralarm. Beim ersten Alarm fliegen zwölf "Wellington" in 4000 bis 5000 m Höhe dicht zusammen an, treffen aber nicht und verlieren vier Maschinen durch deutsche Jäger.

20.06.1940

Um 16.00 Uhr Auslaufen mit Admiral Hipper und dem Zerstörer Karl Galster. Die Operation gilt der Northern Patrol, der vor allem durch Hilfskreuzer besetzten Absperrung im Raum Island-Faröer-Shetlands-Orkneys. Die Schiffe steuern im Schärengebiet nach Norden bis Kylla, dann nach Nordwest. Ein U-Boot an Steuerbord feuert drei Torpedos auf die Gneisenau, von denen zwei vorn vorbeilaufen, der dritte vorn am Vorsteven trifft. Die Gneisenau verliert viel Öl und allerlei Lasteninhalt. Alle Gefechtsstationen melden "klar", und es stellt sich bald heraus, dass das Schiff keinen Mann verloren hat. Das Loch über der Wasseroberfläche ist so groß, dass ohne weiteres ein Verkehrsboot hindurchfahren kann. Da in Drontheim kein Dock ist, kann der Schaden nur durch Taucher untersucht werden. Das Ergebnis ist: Schweißen der Risse unter Wasser und Einsetzen großer Platten an beiden Seiten des Vorschiffes ist notwendig, damit die Gneisenau danach nach Kiel ins Dock verlegen kann.

04.07.1940

Ein neuer Tarnanstrich wird aufgetragen Dadurch ist die Gneisenau gegen den dunklen, bergigen und bewaldeten Hintergrund weniger zu erkennen.

08.07.1940

Das Flottenkommando geht von Bord.

19.07.1940

Die Tanker Friedrich Breme und Adria kommen längsseits zum ölen.

20.07.1940

Probefahrt im Drontheim-Fjord. Das Schiff läuft bis 28 kn, so dass dem Abmarsch nichts mehr im Wege steht.

25.07.1940

Auslaufen 19.00 Uhr, Verband in Reihenfolge Gneisenau, Nürnberg, Admiral Hipper und vier Zerstörern. Durch Trondhjems Leden, Ytre Fjord, östlich Gripholm und dann nach Westen, mit wenig Fahrt hinter vier Booten der 2. MS-Flottille mit ausgebrachtem Otter-Räum-Gerät (ORG). Nachdem sich die Gneisenau in Drontheim dunkel getarnt wurde, war das Schiff vor dem Auslaufen wieder hellgrau gestrichen worden. Die Admiral Hipper verlässt in der Nacht den Verband zum Handelskrieg im Eismeer.

26.07.1940

Die Gneisenau läuft etwa 50 sm westlich der Küste nach Süden, Gneisenau an Bb, Nürnberg an Stb, je ein Zerstörer außen, die beiden anderen als Vorreiter. Ständig sind zwei "Do 17" als Aufklärer und zwei "Me 110" als Jagdschutz über dem Verband. Gegen 13.00 Uhr weitere U-Bootsicherung durch sechs Torpedoboote ab Utsire. Kurz vor 16.00 Uhr starke Detonation mit erheblicher Rauchentwicklung. Torpedoboot Luchs, die U-Bootsicherung an Backbord querab, sinkt nach zwei Minuten. Der von dem britischen U-Boot Swordfish geschossene Torpedo galt der Gneisenau, das Torpedoboot lag aber genau in der Schußrichtung. Unter starkem Minen- und Navigationsgeleit läuft die Gneisenau, da nur wenige Lichter brennen, bis Nordausgang Großer Belt, von wo der BSO, Konteradmiral Stohwasser, das Schiff bis nach Kiel geleitet.

28.07.1940

Die Gneisenau erreicht Kiel und geht sofort in die Werft.

21.10.1940

Ausdocken

14.11.1940

Kurs Ost zu Maschinenerprobungen, Schießübungen, Meilenfahrten und Überlaufversuchen gegen Magnetminen. Gelegentliches Einlaufen in Gotenhafen

07.12.1940

Admiral Lütjens mit seinem Stab schifft zur Teilnahme an Kaliberschießen und Verbandsübungen ein.

21.12.1940

Kiel:Abschlussrede Lütjens

28.12.1940

Unter Geleitschutz verlassen Gneisenau und Scharnhorst Kiel.

29.12.1940

Passieren der Skagen-Sperre. Wegen starker See wird die Fahrt von 25 kn langsam erst auf 22 und bald auf 17 kn vermindert. Dennoch hat das Schiff bereits die ersten Seeschäden: in mehreren Decks sogar Spanten und Träger gebrochen. Der Verband geht in das Schärengebiet beim Korsfjord. Der Flottenchef wartet wegen der Reparaturen auf entsprechende Entscheidung des OKM. Dieses bestimmt - sehr zum Bedauern der Besatzung -, nach Gotenhafen zur Reparatur zu laufen.

30.12.1940

Südkurs Richtung Gotenhafen

02.01.1941

Einlaufen in Gotenhafen; Gleich nach dem Einlaufen findet in der Werft eine Besprechung zur genauen Feststellung der erlittenen Schäden und möglicher weiterer Schadensfälle statt. Es ergibt sich, dass auch das Hauptventil der Stb-Turbine gerissen ist und dass Ausbau, Reparatur und Wiedereinbau über zwei Wochen dauern werden. Da die Schiffbauer unbedingt noch einmal docken wollen, um notfalls unter Wasser entstandene Risse schweißen zu können, ein solches Vorhaben bei dem schnellen Vereisen des Hafenwassers aber mit starken Problemen verbunden sein wird, geht die Gneisenau nach Kiel, um dort die Untersuchung, die Reparaturen und den Ventileinbau zu vollenden.

14.01.1941

Ausdocken, Restarbeiten an der Pier, u. a. Anbordnahme einer 2-cm-Vierlingslafette an dem Platz, an dem später die Flugzeughalle gebaut wird, und Ersatz der 2 cm C/30 durch C/38.

21.01.1941

Beginn der Operation Berlin. Auslaufen aus Kiel. Am Südausgang des Großen Belts wird über Nacht geankert.

22.01.1941

Ankerauf. Gegen 23.30 Uhr 12 sm nördlich Läsö Ankern bis zum 25. 1. vormittags, da abgeteilte T-Boote wegen starken Oststurms nicht auslaufen können und ein größerer Feindverband im Seegebiet Stavanger gemeldet wurde und das Auslaufen von ihnen nicht entdeckt werden sollte. Abends wird die Kristiansand-Sperrlücke passiert, ab etwa 19.30 Uhr geht der Verband auf 25 kn.

26.01.1941

Vormittags in Höhe Stadlandet.

27.01.1941

Um 04.00 Uhr dreht der Verband auf 204° und steuert mit geringerer Fahrt die Island-Passage an.

28.01.1941

Gegen 06.22 Uhr wird Bd voraus ein sich schnell näherndes Objekt erfasst, Gefechtsalarm. Die Gneisenau dreht sofort um 8 Dez nach Stb. Auf neuem Kurs, etwa 330°, sichtet auf der Brücke ein Signalmaat einen Schatten, der schnell als Zerstörer (wahrscheinlich Tribal-Klasse) ausgemacht wird und in kürzester Zeit auf 30 bis 35 hm an Bb steht. Später melden zwei Maate vom Zielgeber im Vormars, dass sie in der Mitte des Gegners zwei weiße Wassersäulen gesehen hätten, als wenn zwei abgeschossene Torpedos ins Wasser geklatscht wären. Es werden weder Torpedolaufbahnen noch Geräusche registriert. Ein Feuerbefehl bleibt auf beiden Schiffen aber aus. Da der Durchbruch somit gescheitert ist, dreht der Verband bei 62° 40" N und 18° W um auf 40° und später auf 60 und 90. Bis zum Hellwerden werden weitere Kontakte gemeldet, aber eine Feindberührung bleibt aus. Mittags kommt an Bb auf ungefähr 320 hm ein Kriegsschiff in Sicht. Die deutschen Schiffe drehen etwas ab, um Feindkontakt zu vermeiden. Nachmittags Fliegeralarm, ein einzelner Aufklärer ganz weit weg im Süden, später noch einer. Sie verschwinden ohne die Schiffe gesichtet zu haben. Der Plan, durch die Island-Passage durchzubrechen wird aufgegeben, stattdessen wird der Durchbruch durch die Dänemark-Straße geplant.

29.01.1941

Gegen 09.00 Uhr kommt die Scharnhorst auf etwa 68° N u. 1/2' O längsseit, um einen Wurfbeutel mit einem Funkspruch von der Flotte an die Gruppe West zu übernehmen und ihn anschließend mit einem Bordflugzeug zum Admiral Nordküste in Drontheim zu bringen, was auch erfolgreich durchgeführt wird.

30.01.1941

Treffen mit dem Tanker Adria zur Ölübernahme. Wegen der schlechten Wetterlage dauert der Vorgang bis zum 2. Februar.

02.02.1941

Um 08.00 Uhr fällt der Matrose Liske über Bord und er wird nicht mehr gefunden. Kurs 250'. Der Verband steuert etwa 70 sm südlich von Jan Mayen vorbei.

03.02.1941

Früh morgens zwingt starkes Eis die Schiffe, nach Süden, teilweise sogar nach Südosten auszuweichen und dichter unter die isländische Küste zu gehen. Ab 18.00 Uhr stehen die Schiffe in 25 km Entfernung dicht vor der Nordwestende Islands.

04.02.1941

gegen 04.00 Uhr voraus ein Schiff. Gneisenau und Scharnhorst drehen um mehrere Dez ab. Der Gegner kommt an Bb langsam achteraus und verschwindet. Die Schiffe gehen auf den alten Kurs zurück und laufen auf alten Kurs weiter. Admiral Lütjens macht mittags ein Flaggensignal: "Zum ersten Mal in der Seekriegsgeschichte ist es deutschen Schlachtschiffen gelungen, in den freien Atlantik einzudringen. Und nun ran!". Abends wird der 60. Breitengrad passiert.

05.02.1941

Die Schiffe passieren auf Kurs 220° die Südspitze Grönlands, das Kap Farvel in 60 sm Entfernung. Mittags trifft der Verband den Tanker Schlettstadt zur Ölübernahme.

06.02.1941

Nach Beendigung der Ölübernahme SO-Kurs.

07.02.1941

Beide Einheiten marschieren 40 sm auseinander und dampfen auf NW- bzw. SO-Kurs mit 15 kn auf und ab.

08.02.1941

Am Morgen ortet das Dete-Gerät auf große Entfernung zwei nach Westen laufende unbeladene Schiffe, die aber laufen gelassen werden. Ab 07.15 Uhr alles auf Gefechtsstationen. Eine Stunde später werden auf 350 hm die oberen Maste dreier Schiffe gesichtet. Die Gneisenau läuft ab, Lütjens setzt aber die Scharnhorst auf diese Schiffe an. Die Gneisenau dreht nach etwa einer Stunde wieder zurück, um diese Schiffe in die Zange zu nehmen. Bevor der Gegner in Sicht kommt, meldet die Scharnhorst, es habe ein Schlachtschiff (HMS Ramillies) in Sicht. Der Angriff wird daher abgebrochen.

10.02.1941

Die Scharnhorst und die Gneisenau ziehen sich wieder auf 40 sm zur Standlinie auseinander.

14.02.1941

Morgens Treffen mit den Tankern Schlettstadt und Esso zur Ölübernahme.

17.02.1941

Die Gneisenau steht wieder mit der Scharnhorst 40 sm auseinander "auf und ab", nur etwa 250 sm ostwärts Kape Race (Neufundland).

21.02.1941

Nachmittags Start der Bordflugzeuge zur Aufklärung.

22.02.1941

Gegen 10.00 Uhr einzelne Rauchwolken in Sicht. Am gleichen Tage werden insgesamt vier Schiffe entdeckt und versenkt. Nachmittags entdeckt das Bordflugzeug einen Dampfer. Gegen 22.00 Uhr in 358° Schiffspeilung auf 198 hm eine EM Il-Ortung. Das fremde Schiff kommt auf 45 hm in Sicht, auf 25 hm wird unter Scheinwerferbeleuchtung mit der Mittelartillerie das Feuer eröffnet. In wenigen Minuten brennt das Schiff und bekommt starke Schlagseite. Es werden 32 Überlebende aufgenommen.

26.02.1941

Nachmittags Treffen mit dem Versorger Ermland und dem Tanker Friedrich Breme.

28.02.1941

Um 07.00 Uhr ist die Übernahme beendet. Die Gefangenen der versenkten Handelsschiffe werden an die Ermland abgegeben. Mit Ostkurs Kurs aufgenommen gegen die Nord-Süd-Geleite.

03.03.1941

Der Verband steht 350 km entfernt von den Kanarischen Inseln.

05.03.1941

Der Verband wird von U 104 gesichtet und gemeldet.

06.03.1941

Standort 24° N, 20° W. Auf 250 hm wird der U-Bootsturm von U 124 gesichtet. In Rufweite werden Feindnachrichten und Absichten ausgetauscht.

07.03.1941

Standort 19° 31' N mit Kurs 160'. Gegen 11.00 Uhr meldet die Scharnhorst, die 35 sm westlich marschiert, in etwa 22 sm voraus ein Schlachtschiff mit westlichem Kurs. Auf der Gneisenau sichtet man gegen Mittag insgesamt 12 Dampfer. Im Verlauf der nächsten beiden Tage ergebnislose Versuche die Eskorte (bestehend aus dem Schlachtschiff Malaya und zwei Kreuzern) von dem Geleitzug SL-67 wegzulocken. Der Angriff auf diesen wird deshalb abgebrochen.

11.03.1941

Ölübernahme der Gneisenau aus der Uckermark, der Scharnhorst aus der Ermland, der früheren Altmark. Am nächsten Tag noch Proviantübernahme für eine weitere Woche. Nachmittags ist Kommandantensitzung beim Flottenchef, an der auch die Trossschiff-Kapitäne teilnehmen. Abends Marsch nach Norden. Die beiden Trossschiffe werden mitgenommen. Sie sollen die Aufklärungslinie außerhalb der beiden Schlachtschiffe nach außen verlängern, und zwar bei einem Abstand zwischen den vier Schiffen von je 30 sm.

15.03.1941

Früh morgens sichtet das linke Flügelschiff, die Uckermark, einen Tanker auf Westkurs. Die Gneisenau marschiert hinterher und bringt es als Prise auf. Zwei weitere Tanker werden angehalten und mit Prisenkommandos in Marsch gesetzt.

16.03.1941

Die Gneisenau versenkt sechs weitere Handelsschiffe. Die abseits liegende Uckermark meldet ein sich schnell näherndes großes Kriegsschiff, das sie gleich darauf als Nelson oder Rodney angibt. Durch Ausweichbewegungen und hoch gesteigerte Fahrt kann die Gneisenau entkommen. Nach dem Sammeln mit der Scharnhorst geht der Verband auf Ostkurs mit Richtung auf Brest.

22.03.1941

Gneisenau und Scharnhorst erreichen Brest. Die Gneisenau hat 14 Schiffe mit insgesamt 66.300 Tonnen während dieser Unternehmung versenkt oder als Prise aufgebracht.

05.04.1941

Das Schiff liegt in einem der beiden Trockendocks und wartet darauf, dass das Docktor instandgesetzt wird, um es zum Eindocken zu lenzen. Am 4. April ist es so weit. Das Schiff liegt schließlich am 5. auf den vorbereiteten Dockstapeln. Als es trockengefallen ist, wird unter dem Schiffsboden, zwischen zwei Dockstapeln, eine unbeschädigte Flugzeugbombe entdeckt. Die Gneisenau verlegt mit Schlepperhilfe an die Boje A; Torpedoschutznetze sind nicht vorhanden.

06.04.1941

Um 07.16 Uhr trifft ein Torpedo eines alleine angreifenden Flugzeuges die Gneisenau an Stb achtern in Abteilung IV; die achteren Artillerie-Rechen- und -Schaltstellen sowie andere wichtige Räume fallen aus. Das Flugzeug war erst auf 600 m Entfernung gesichtet worden, es wird heftig beschossen und stürzt nach seinem erfolgreichen Angriff ab. Durch diesen Treffer verliert die Gneisenau ihre Reserveführungselemente der Artillerie. Nachdem die Flugzeugbombe im Trockendock entschärft ist, dockt die Gneisenau wieder ein.

10.04.1941

Um 23.35 Uhr wird die Gneisenau erneut das Ziel englischer Flugzeuge: Vier Bomben treffen das Schiff. Es fallen insgesamt 88 Besatzungsmitglieder, die am 15. April auf dem Friedhof in Brest beigesetzt werden. Die dadurch erlittenen Schäden: Turm Bruno kann nicht geschwenkt werden, die vordere Fla-Schalt- und Rechenstelle die vordere E-Kompaßanlage und ein Teil der Bü-Mittel in der Kommando-Zentrale sind vorübergehend ausgefallen. Die Kombüse und die Bäckerei sind vollständig zerstört, alle Wohndecks ab Abt. XIII nach vorn durch Bombentreffer oder durch Brand ausgefallen. Daher fehlen Unterbringungsplätze für ein Drittel der Besatzung.

14.04.1941

Bei einer Werftsitzung wird festgestellt, dass die Reparatur der Trefferschäden im Achterschiff vier Monate dauern und die Ausführungen sämtlicher Arbeiten im Vorschiff sechs Monate brauchen werden. Beim Verzicht auf nicht lebensnotwendige Arbeiten lassen sich die Reparaturen höchstens auf vier Monate reduzieren.

17.04.1941

Großadmiral Raeder kommt an Bord. Er spricht zur Besatzung und unterrichtet sich über die Art der Schäden und die Dauer der Wiederherstellung des Schiffes. Die Gneisenau erhält während dieser Zeit zwei Torpedorohrsätze von je drei Rohren, die achtern hinter Turm Cäsar aufgebaut werden. Außerdem wird die Flugzeuganlage umgebaut. Das Schiff erhält eine Halle mit eingebauter Schleuder, so dass ein Flugzeug aus der Halle hinauskatapultiert werden kann. In der Reede von Brest werden Klingscheiben- und Abkommschießen durchgeführt, Abstimmung der Funkanlage und Schießen mit Übungstorpedos.

06.02.1942

Nachdem alle Werftarbeiten abgeschlossen sind und Probefahrten in den Gewässern um Brest herum erfolgreich verliefen, erhält die Gneisenau einen Nahtreffer im Dock und zerstört bei der Explosion die Außenhaut auf etwa 1 m. Der Schaden beeinträchtigt die Kampfkraft des Schiffes nicht, er muss aber bei der nächsten Werftzeit repariert werden.

11.02.1942

Der Durchbruch durch den Kanal beginnt. Die Schiffe laufen um 23.00 Uhr aus Brest aus in der Reihenfolge Scharnhorst (Kapitän zS K. C. Hoffmann) mit dem BdS Vizeadmiral Ciliax an Bord, Gneisenau (Kapitän zS Fein) und Prinz Eugen (Kapitän zS Brinkmann), anschließend folgen die fünf Zerstörer, die in freier See auf ihre vorgesehenen Sicherungsplätze ausscheren.

12.02.1942

Um 01.12 Uhr wird die Insel Ouessant passiert. Um 02.00 Uhr spricht der Kommandant durch die Lautsprecheranlage zur Besatzung und gibt ihr die Aufgabe des Verbandes bekannt. Um 10.15 Uhr stoßen die Boote der 2. und 3. T-Flottille aus Le Havre und Dünkirchen zum Verband, und ab 11.00 Uhr stehen zehn Boote der 4. Schnellbootflottille als Flankensicherung feindwärts. Die 5. T-Flottille mit den Booten der Möwe- und Jaguar-Klasse, aus Vlissingen kommend, stoßen um 13.26 Uhr zu dem Verband, als er gerade die erste Feindberührung gehabt hat. Die engste Stelle des Kanals, zwischen Dover und Calais, wird um 12.56 Uhr passiert, und erst 35 Minuten später werden die ersten Gegnermaßnahmen deutlich. An Bb hört und sieht man Aufschläge von Granaten einer Landbatterie. Sie, die von einer 23,4-cm-Batterie bei Dover kommen, erreichen die mit hoher Fahrt ablaufenden und sich daher schnell aus dem Zielbereich der Batterie entfernenden Schiffe nicht mehr. Ab 13.32 Uhr greifen insgesamt sechs Torpedoflugzeuge vom Typ "Swordfish" an. Keiner der abgeschossenen Torpedos traf. Etwa gleichzeitig greifen britische Torpedo-Motorboote aus Dover erfolglos an. Unmittelbar vor dem Torpedobootangriff trifft eine der von den Engländern ausgelegten Minen die Scharnhorst, die darauffolgend fahrt verliert und bewegungslos auf See treibt. Der Kommandant der Gneisenau übernimmt die weitere Führung des Verbandes und geht mit einer Kursänderung an dem havarierten Flaggschiff vorbei. Vier Torpedoboote bleiben bei der Scharnhorst. Der Zerstörer Z 29 geht längsseit von der Scharnhorst, um den Befehlshaber mit seinem Stab zu übernehmen. Während der folgenden beiden Stunden gibt es immer wieder einzelne Angriffe durch Torpedoflugzeuge vom Typ Beaufort. Da die Wolkendecke aber niedrig ist, finden viele Feindflugzeuge den Verband nicht. Gegen 19.10 Uhr beginnt die Abenddämmerung und die Luftangriffe durch Bomben oder Torpedos hören aber auf. Als die Dunkelheit bereits einsetzt, läuft auch die Gneisenau auf eine Mine. Durch die Erschütterung fallen alle Sicherungen heraus. Das Schiff hat zunächst keinen Strom. Waffen und Maschinen fallen für kurze Zeit aus. Nach einer Viertelstunde ist die Gneisenau wieder auf dem Weitermarsch, ohne sichtbare Schäden. Die Scharnhorst erhält später einen zweiten Minentreffer, der den Einbruch von 1000 t Wasser verursacht. Das Schiff läuft aber dennoch mit eigener Kraft weiter. Der Verband hat sich inzwischen aufgelöst, da ein Formationshalten bei den wechselnden Gefechtslagen und den Abwehrbewegungen der einzelnen Schiffe und Boote und der ständigen Höchstfahrt nicht möglich ist.

13.02.1942

Mit dem Hellwerden am 13. Februar ist der Verlegungsbefehl ausgeführt. Gneisenau und Prinz Eugen gehen um 03.44 Uhr vor der Elbmündung vor Anker, die Scharnhorst marschiert nach Wilhelmshaven, die Zerstörer nehmen Kurs auf Wesermünde und die Torpedo- und Schnellboote zunächst auf Helgoland. Die Sicherungsstreitkräfte verloren bei diesem Unternehmen ein Minensuchboot bei den Vorbereitungen zum Durchbruch und ein Markboot während der Unternehmung. Die Gneisenau hat insgesamt fünf Abschüssen durch ihre eigene Flak erzielt. Bei Hellwerden geht die Gneisenau zur Fahrt durch den Kanal nach Kiel ankerauf. Da noch auflaufendes Wasser bei Brunsbüttel herrscht, bleibt das Schiff bis zum Eintritt von Stauwasser noch auf der Elbe vor Anker liegen. Bald wird der Anflug eines größeren englischen Luftverbandes gemeldet. Der Kommandant der Gneisenau will deshalb trotz des Stromes in die Schleuse einlaufen. Beim Passieren der Molenköpfe wird das Achterschiff trotz Gegenmanöver durch den Strom herumgedrückt und die Gneisenau liegt parallel zum Ufer und quer zur Schleuseneinfahrt. Es gelingt dem Kommandanten, bei dem bald folgenden Stauwasser das Schiff mit den Maschinen herumzudrehen und in die Schleuse einzulaufen. Ohne Aufenthalt kommt das Schiff in Kiel an.

14.02.1942

Eindocken ins Schwimmdock. Befehlsgemäß muss vor einem Docken alle Munition von Bord gegeben werden. Da die Gneisenau nur etwa zwei Wochen zu docken braucht, die Abgabe der Munition und spätere Wiederanbordnahme aber wegen der Vereisung des Kieler Hafens mindestens drei Tage dauern wird, erteilt das Flottenkommando die Erlaubnis, die Munition während dieser kurzen Dockzeit an Bord zu behalten. Es werden nur die Zünder aus den Granaten entfernt.

26.02.1942

Luftangriff kurz vor Mitternacht. Eine Bombe durchschlägt das Oberdeck, dann das Batteriedeck und trifft das Panzerdeck an einer Stelle, an der die Entlüftung der unterliegenden Pulverkammer herausgeführt wird. Glühende Splitter treffen auf die Kartuschen und entzünden das Pulver. Es folgt eine Kettenreaktion von Pulverbränden, die sich über die in der Kartuschkammer gelagerten Kartuschen und weiter in die benachbarten Pulvermengen fortpflanzen. Alles Pulver des Turms Anton gerät in Brand. Der Druck breitet sich explosionsartig aus, hebt den drehbaren Teil des Turmes in die Höhe und dreht ihn um einige Grade. Ein anderer Teil der Brandgase sucht sich einen Ausweg durchs Batteriedeck, wo er sich nach oben ausbreitet, indem er eine etwa 6 m breite und über das ganze Oberdeck von Bb nach Stb reichende dicke eiserne Decksplatte an der einen Schweißnaht von der nach vorn anschließenden Decksplatte abbricht und um 180° nach hinten schlägt. Alle Männer im Turm Anton sind sofort tot. Der Turm und das gesamte Vorschiff ist nur noch ein ausgeglühter Torso.

04.03.1942

Beisetzung der 112 Gefallenen des Schlachtschiffes Gneisenau auf dem Kieler Ehrenfriedhof. In der Folgezeit und als Vorbereitung der Überführung des Schiffes nach Gotenhafen wird Turm Anton wird aus seiner Barbette herausgenommen, das Oberdeck wieder gangbar gemacht, und die Wohndecks für die Besatzung hergerichtet. Die durch den Brand zerstörten oder angebrannten Oberdecksteile werden frisch gemalt, und das Schiff wird Mitte März in die Wik verlegt.

24.03.1942

Der Großadmiral kommt an Bord und hält vor versammelter Mannschaft eine Rede. In der darauffolgenden Zeit wird bis auf das notwendige Baubelehrungspersonal die Besatzung auf andere Kommandos verteilt.

04.04.1942

Am 4. April verlässt die Gneisenau Wik. Vor ihr fahren der Eisbrecher Castor und das Linienschiff Schlesien. Bei Rügen verschwindet das Eis, die Gneisenau kann von da an selbständig bis Gotenhafen fahren. Das Schiff ist völlig seeklar. In Gotenhafen sucht das Schiff gleich das Arsenal auf. Der Kommandant bereitet die Außerdienststellung vor. Der I. AO wird mit den Geschäften als Kommandant betraut und ein Grossteil der Besatzung geht von Bord.

01.06.1942

Die Gneisenau wird außer Dienst gestellt. Nach einem halben Jahr werden die Werftarbeiten eingestellt. Die noch intakten Geschütze der Artillerie wird zum Grossteil zum Küstenschutz anderorts verwendet

27.03.1945

Das Schiff wird in der Hafeneinfahrt als Blockadeschiff von der Restbesatzung gesprengt.

1947 - 1951

Die Gneisenau wird abgewrackt.