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Die Gneisenau - Werftliegezeit in Brest

Nach dem Einlaufen der beiden Schlachtkreuzer in Brest am 22. März 1941 ist für die Gneisenau eine mehrwöchige Maschinenüberholung vorgesehen, längere Reparaturen sind nicht notwendig. Das Schiff liegt in einem der beiden Trockendocks und wartet darauf, dass das Docktor instandgesetzt wird, um es zum Eindocken zu lenzen, was am 4. April geschieht. Die Gneisenau liegt schließlich am 5. auf den vorbereiteten Dockstapeln. Als es trockengefallen ist, wird unter dem Schiffsboden, eine unbeschädigte Flugzeugbombe entdeckt. Der I. Offizier, der den beurlaubten Kommandanten vertritt, entschließt sich das Dock zu verlassen und nach Beseitigung der Bombe erneut einzudocken. Dazu verholt die Gneisenau mit Schlepperhilfe an die Boje A; Torpedoschutznetze sind nicht vorhanden. Am nächsten Morgen, dem 6. April um 07.16 Uhr, starke Erschütterung im Schiff. Ein einzelnes Flugzeug greift bei Wind NNO 6-7, niedriger Wolkendecke und einer Sicht von nur 1000 m das Schiff in einer Flughöhe von 15 bis 20 m mit einem Torpedo an, der das Schiff Stb achtern in Abteilung IV trifft und die achteren Artillerie-Rechen- und -Schaltstellen sowie andere wichtige Räume ausfallen lässt. Das Flugzeug ist erst auf 600 m Entfernung gesichtet worden, es wird heftig beschossen und stürzt nach seinem erfolgreichen Angriff ab. Durch diesen Treffer verliert die Gneisenau ihre Reserveführungselemente der Artillerie. Das Schiff dockt wieder ein, nachdem der Blindgänger entfernt worden ist. Am 10. April um 23.35 Uhr wird die Gneisenau erneut das Ziel englischer Flugzeuge: Vier Bomben treffen das Schiff. Eine trifft den Schwenkkranz Oberkante Turm Bruno, detoniert an der Barbette dieses Turmes an Stb, durchschlägt den Oberdeckspanzer des Turmes und drückt ihn nach innen ein. Die zweite Bombe nimmt den gleichen Weg, detoniert auf dem Panzerdeck beim Turm Bruno an Stb. Die dritte Bombe durchschlägt das Aufbaudeck, das Oberdeck und das Batteriedeck an Stb beim Spant 148 neben dem Panzerluk in Abt. XIV, und detoniert im Zwischendeck an Stb von Turm Bruno. Die vierte Bombe ist ein Blindgänger. Sie wird erst am 25. April beim Aufräumen im Batteriedeck in der Ecke zwischen Kantinenraum und Deckswand gefunden. Die Verluste sind erheblich. Es werden 78 Gefallene und 84 Verwundete gezählt, von denen 10 weitere später sterben und am 15. April auf dem Friedhof in Brest beerdigt.

Der technische Schaden, den diese 3 Bomben angerichtet haben, ist erheblich:

Turm Bruno kann nicht geschwenkt werden
vordere Fla-Schalt- und Rechenstelle ist vorübergehend ausgefallen
die vordere E-Kompaßanlage und ein Teil der Bü-Mittel in der Kommando-Zentrale sind vorübergehend ausgefallen
das Panzerdeck wurde nicht durchschlagen, sondern nur an der Trefferstelle durchgebogen
die Kombüse und die Bäckerei sind vollständig zerstört
alle Wohndecks ab Abt. XIII nach vorn durch Bombentreffer oder durch Brand ausgefallen

Bei einer Werftsitzung am 14. April wird festgestellt, dass die Reparatur der Trefferschäden minimal vier Monate dauern wird.

Am 17. April kommt Großadmiral Raeder an Bord. Er unterrichtet sich über die Art der Schäden und die Dauer der Wiederherstellung des Schiffes. Er befiehlt die Aufstellung einer Tarnkompanie aus dem Personal der nicht einsatzfähigen Schiffe. Sie soll dem Oberwerftdirektor zur Tarnung der Werftlieger und der Umgebung der Docks zur Verfügung stehen. Mit Tarnmatten werden das Schiff und die Umgebung des Docks getarnt. Zum Schutz gegen Treffer wird das Oberdeck außerdem mit dicken Panzerplatten ausgelegt.

Die Reparaturen an der Gneisenau werden planmäßig durchgeführt. Die Gneisenau erhält dabei zwei Torpedorohrsätze von je drei Rohren die achtern hinter Turm Cäsar aufgebaut werden. Außerdem wird die Flugzeuganlage umgebaut. Das Schiff erhält eine Halle mit eingebauter Schleuder, so dass ein Flugzeug aus der Halle hinauskatapultiert werden kann. In der Reede von Brest werden Klingscheiben- und Abkommschießen durchgeführt, Abstimmung der Funkanlage und Schießen mit Übungstorpedos.

Die Gneisenau erhält am 6. Januar 1942 einen Nahtreffer im Dock. Die Bombe schlägt an der Dockseite ein, zerstört bei der Explosion die Außenhaut auf etwa 1 m und beschädigt einige Dockstapel. Der Schaden beeinträchtigt die Kampfkraft des Schiffes nicht, er muss aber bei der nächsten Werftzeit repariert werden

Quelle: nach Wolfgang Kähler: Schlachtschiff Gneisenau