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Die Gneisenau - Das Ende

Bei Hellwerden am 13.02.42 geht die Gneisenau zur Fahrt durch den Kanal nach Kiel ankerauf. Am nächsten Morgen geht sie sofort ins Schwimmdock. Normalerweise muss vor einem Docken alle Munition von Bord gegeben werden. Da die Gneisenau nur etwa zwei Wochen zu docken braucht, wird auf die Abgabe der Munition und spätere Wiederanbordnahme verzichtet, nur die Zünder werden aus den Granaten entfernt. Nach dem Aufschwimmen des Docks werden die am 6. Januar in Brest im Trockendock und bei dem Minentreffer am 12. Februar entstandenen Schäden untersucht und als geringfügig angesehen. Die Reparatur kann in zwei Wochen beendet sein.

Bei einem Luftangriff am 26. Februar kurz vor Mitternacht kommt es zu einem Bombentreffer, der verheerende Folgen hat. Die Bombe durchschlägt das Oberdeck, das Batteriedeck und trifft das Panzerdeck an einer Stelle, an der die Entlüftung der darunter liegenden Pulverkammer herausgeführt wird. Bombensplitter und aus dem Deck herausgestanzte Eisenstücke treffen auf die Kartuschen und entzünden das Pulver. Es folgt eine Kettenreaktion von stichflammenartigen Pulverbränden, die sich über die in der Kartuschkammer gelagerten Kartuschen und weiter in die benachbarten Pulvermengen fortpflanzen. Der gesamte Pulvervorrat des Turms Anton gerät in Brand. Der Druck breitet sich explosionsartig aus, hebt den drehbaren Teil des Turmes in die Höhe und dreht ihn um einige Grade, so dass der etwa 20 cm hohe innere Radkranz nach dem Entweichen der Gase nicht wieder in den festen äußeren Radkranz an der Barbette spurt. Ein anderer Teil der Brandgase sucht sich einen Ausweg im Batteriedeck, wo er sich nicht nach den Seiten oder nach vorn ins Freie ausbreiten kann, sondern nur nach oben, indem er eine etwa 6 m breite und über das ganze Oberdeck von Bb nach Stb reichende dicke eiserne Decksplatte an der Schweißnaht von der nach vorn anschließenden Decksplatte abbricht und um 180° nach hinten schlägt. Alle Männer im Turm Anton sind sofort tot. Außer der Turmbedienung haben sich dort noch weitere Personen aufgehalten: Wachpersonal, Urlauber und andere. Andere Männer, die dienstlich unter Deck zu tun haben, ereilt der Tod, so die drei Mann der Leckgruppe, die bei ihrer Leckpumpe 12 in der Abt. XIV bis XVIII waren. Der Oberpumpenmeister Schwarz war auf Befehl des I. O zum Fluten des Turms Anton zusammen mit einem Maat und einem Mann nach vorn geeilt. Sie legen die dort unten befindlichen Flottenatmer an, öffnen die See- und Flutventile und fluten den Turm. Für längeres Arbeiten dort unten hatten sie Reserve-Sauerstoffflaschen bei sich. Das gesamte Vorschiff inklusive des Turm Anton ist nach diesem Treffer ausgeglüht und nicht mehr zu reparieren. Insgesamt fallen 112 Männer bei diesem Vorfall; sie werden am 4. März auf dem Kieler Ehrenfriedhof beigesetzt.

Da das Schiff in einigen Wochen zur Wiederherstellung nach Gotenhafen in die Werft gehen wird, werden alle Vorbereitungen für die Verlegung getroffen. Der ausgebrannte Turm Anton wird aus seiner Barbette herausgenommen, das Oberdeck gangbar gemacht, die Wohndecks werden für die Besatzung hergerichtet. Die durch den Brand zerstörten oder angebrannten Oberdecksteile werden frisch gestrichen, und das Schiff wird Mitte März in die Wik verlegt.

In Gotenhafen soll die Gneisenau instand gesetzt, auf 6 : 38-cm-Doppeltürme umarmiert und um etwa 10 m verlängert werden. Bis auf das notwendige Baubelehrungspersonal wird die Besatzung auf andere Kommandos verteilt, um nach einem Jahr Umbauzeit wieder in Dienst gestellt zu werden.

Am 04. April verlässt die Gneisenau die Wik, vor ihr fahren der Eisbrecher Castor und das Linienschiff Schlesien. Das Schiff ist völlig seeklar, Schiffskörper und Maschine haben durch den Bombentreffer nicht gelitten, und fährt mit eigener Kraft nach Gotenhafen.

In Gotenhafen sucht das Schiff gleich das Arsenal auf. Der Kommandant bereitet die Außerdienststellung vor. Ein Teil der Besatzung wird abkommandiert.

Am 01. Juli 1942 wird die Gneisenau außer Dienst gestellt und die Kriegsflagge eingeholt. Mit der Wahrnehmung der Geschäfte als Kommandant wird Fregattenkapitän Wolfgang Kähler beauftragt. Nach einem halben Jahr werden die Werftarbeiten eingestellt. Die noch intakten Geschütze der Artillerie werden zum Grossteil zum Küstenschutz anderorts verwendet und an Land aufgestellt.

Als sich die Rote Armee Gotenhafen nähert, wird die Gneisenau in der Hafeneinfahrt als Blockadeschiff von der Restbesatzung gesprengt (27.03.1945).

Nach Kriegsende wird die Gneisenau verschrottet (1947 - 1951).

Quelle: nach Wolfgang Kähler: Schlachtschiff Gneisenau