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Die Gneisenau - Planung und Bau

Der Versailler Friedensvertrag ließ beim Einsatz der veralteten Linienschiffe Neubauten, und zwar nur solche bis zu 10000 ts (Washington) sowie von Kreuzern bis zu 6000 ts zu. Schon vorher waren zwei Panzerschiffe (Deutschland und Admiral Scheer) in Bau gegeben. Das erste lief 1931, das zweite am 1. April 1933 und ein drittes schließlich am 30. Juni 1934 (Graf Spee) vom Stapel. Alle drei entsprachen aber nicht genau der Größe und Bewaffnung der Bestimmungen von Versailles: Beide Schiffe mußten am Ende mit 11700 ts bei maximal 15 900 ts vermessen werden. An Schwerer Artillerie führten sie 6 : 28-cm-Kanonen in je zwei Drillingstürmen. Die Geschwindigkeit lag bei max. 28,3 kn. Damit waren nur drei der sechs erlaubten Linienschiffe ersetzt, und die Überlegungen in der Marineleitung gingen weiter:

So gut gelungen die Panzerschiffe auch waren, die mit ihrem Kaliber jedem schnelleren Schiff - bis auf drei britischen Schlachtkreuzer - überlegen und schneller waren als alle artilleristisch überlegenen Gegner, so sehr lagen aber ihre Schwächen in ihrem geringen Panzerschutz. Die Vorteile der Panzerschiffe, zu denen noch ihr großer Aktionsradius hinzutrat, zwangen mögliche Gegner,vor allem die französische Marine, dazu, schnellstens überlegene schnelle Schlachtschiffe in Auftrag zu geben, deren wichtigste Angaben bereits annähernd bekannt waren, nämlich 26 500 ts, 30 kn, 8 : 33-cm-Geschütze in Vierlingstürmen, starke Panzerung und großer Aktionsradius.

Am 16. März 1935 löste sich die Reichsregierung plötzlich, einseitig und ohne Vorankündigung von den militärischen Bestimmungen des Versailler Vertrages. Die Regierungen der ehemaligen Feindmächte protestierten zwar energisch, sie vermieden aber weitere Schritte. Die britische Regierung fragte vielmehr in Berlin an, ob die Deutschen weiterhin bereit seien, frühere unverbindlich geführte Gespräche über eventuelle gegenseitige Marinerüstungsfragen fortzuführen. Hitler ließ zustimmen, und so wurde in den folgenden Monaten besprochen, wie Deutschlands Marine aus den harten Versailler Bedingungen entlassen, dafür aber ein zahlenmäßig vernünftiges Verhältnis zwischen den beiden Marinen hergestellt werden könne. Der deutsche Verhandlungsführer war Botschafter v. Ribbentrop, der Marineberater Konteradmiral Schuster. Hitler hatte als Marschrichtung mitgegeben, ein zahlenmäßiges Verhältnis von 100: 35 bei den einzelnen Schiffstypen, Schlachtschiffe, Schwere Kreuzer, Leichte Kreuzer, Zerstörer, festzulegen und eine Höchstgrenze von 35 000 ts je Schiff nicht zu überschreiten.

Die Verhandlungskommissionen einigen sich in einem Vierteljahr auf diese Grundsätze, so daß das deutschenglische Flottenabkommen am 18. Juni 1935 unterzeichnet werden konnte. Damit war Deutschland berechtigt, Schlachtschiffe zu bauen die erheblich größer und besser armiert waren als die Panzerschiffe.

Admiral Raeder hatte schon vor langer Zeit Überlegungen anstellen lassen, welches Kaliber und in welcher Aufstellung die Hauptbewaffnung am zweckmäßigsten für einen größeren Neubau gewählt werden solle. Zum Kaliber: Das 28-cm-Geschütz hat sich bei den alten Linienschiffen und bis zur Nassau-Klasse bewährt, gleichaltrige ausländische Schiffe waren aber zu größerem Kaliber übergegangen. In der deutschen Marine erhöhte man später, von der Ostfriesland-Klasse ab (Stapelläufe 1909/10) auf 30,5 cm und erst bei den beiden letzten noch im Krieg fertiggewordenen Schlachtschiffen auf 38 cm.

Der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine (ObdM) beschäftigte sich in einem nur an die sechs wichtigsten Flaggoffiziere verteilten Schreiben eingehend mit der Frage, welches Kaliber bei den neuen Schlachtschiffen D und E gewählt werden solle. Es war wünschenswert, bei dem neuen Schlachtschiff-Typ auch ein gegenüber der Panzerschiffsbewaffnung erheblich größeres Geschütz als Hauptwaffe einzubauen, etwa das 38-cm-Geschütz der Bayern und Baden. Der große Nachteil war aber, daß diese Geschütze noch am Beginn ihrer Entwicklung standen, und daß die Gneisenau und Scharnhorst erst etwa anderthalb Jahre später in Dienst gestellt werden können, falls das 38-cm- Geschütz ausgewählt würde. Die 28-cm-Kanonen dagegen waren bereits vorhanden, und ihre Fertigstellung bestimmte somit nicht das Bautempo.

Der ObdM stellte in seinem o. a. Schreiben vom 16. August 1935 fest: »Die Aufstellung von vier Doppeltürmen schwersten Kalibers bleibt die erstrebenswerte Armierung.« Diese reine Mittschiffaufstellung des Hauptkalibers in Doppeltürmen wurde bei den letzten sechs Linienschiffen und den beiden neuesten Schlachtkreuzern der Kaiserlichen Marine gewählt, und sie sollte auch später für die beiden neuen Schlachtschiffe (F und G) verwendet werden. Der Doppelturm mit jeweils zwei Abschüssen und dementsprechend auch nur zwei Aufschlägen in Form von Wassersäulen, ist erfahrungsgemäß nicht ausreichend zur Beobachtung der Treffer- oder Einschlaglage am Ziel, wofür mindestens drei Einschläge wünschenswert sind.

Überlegungen über Erfahrungen mit den Türmen der Panzerschiffe sowie sonstige Gegebenheiten, wie Platz und Gewicht für die Panzerung und die Maschinenanlage und der Zwang möglichst frühzeitiger Fertigstellung der beiden Schlachtschiffe, ergaben als Resultat den Einbau von drei 28-cm-Drillingstürmen. Der ObdM entscheidet gleichzeitig, daß schiffbaulich die Möglichkeit vorbehalten sein sollte, diese Türme später durch drei 38-cm-Doppeltürme des gleichen Typs zu ersetzen, wie er für die nächsten Schlachtschiffe vorgesehen war (Bismarck und Tirpitz). Die Dauer der Umarmierung wurde auf 12 bis 15 Monate veranschlagt.

Bereits am 14.02.1934 waren die beiden Panzerschiffe D und E auf Kiel gelegt worden. Das neue Abkommen zwischen Deutschland und England hatte nun aber die Voraussetzungen zum Bau der Schlachtschiffe frei gemacht. Darauf hin wurden die Arbeiten eingestellt und das bereits verbaute Material wieder abgebrochen. Die Bauverträge mit den Werften blieben bestehen, wurden nunmehr vom Bauauftrag "Panzerschiff" in "Schlachtschiff" umbenannt und die Neuplanungen für die Schiffe begannen.

Nach dem Abschluss der Neuplanung für die Schiffe erfolgte im März 1935 die erneute Kiellegung des Schlachtschiffes "E" bei den Deutschen Werken in Kiel fand statt (die offizielle Kiellegung erfolgte am 06.05.1935). Bereits nach Kiellegung traf das erste Baubelehrungspersonal ein, vor allem Pumpenmeister, Zimmermeister und Maschinenpersonal, um das Schiff kennen zu lernen. Je nach Bauphase kam weiteres Personal hinzu, zum Teil wurde auch Personal zu den am Bau beteiligten Firmen geschickt, um dort bereits in der Montage befindliche Schiffselemente kennen zu lernen. Somit war bereits vor dem Eintreffen der eigentlichen Besatzung und noch vor dem Stapellauf ein fachkompetenter Personalstamm vorhanden, der die Neuankömmlinge einweisen konnte.

Am 08.12.1936 erfolgte der Stapellauf auf der Werft der Deutschen Werke in Kiel. Die Taufrede hielt Freiherr von Fritsch mit den Worten: " Der erste im Angriff, der letzte der von der Verfolgung ablässt - sei tapfer. treu und glücklich - und ehre damit den großen Soldaten, den Generalfeldmarschall Neithardt von Gneisenau, dessen Namen du tragen wirst!" Die Taufe selber wurde von der Witwe des KzS Maerker, der 1914, auf den Tag genau 22 Jahre vorher, mit seinem Schiff gleichen Namens bei den Falklandinseln im Gefecht mit überlegenen britischen Streitkräften untergegangen war. Dabei verlief der Stapellauf nicht wie geplant - das Abbremsen des schweren Schiffskörpers schlug fehl und die Gneisenau rammte die gegenüberliegende Kaimauer. Das Schiff erlitt dabei keinen größeren Schaden, lediglich die Kaimauer wurde um 4 Meter eingedrückt. Danach verholte die Gneisenau an den Ausrüstungskai für weitere Werftarbeiten.

Quelle: nach Wolfgang Kähler: Schlachtschiff Gneisenau