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Die Scharnhorst - die ersten Feindfahrten

Erst mit Kriegsausbruch war das Schiff wieder klar für Werftprobefahrten. Als erste Maßnahme wurde die Besatzung auf Kriegsstärke gebracht, der sogenannte »Kriegszuschlag« stieg ein. Als die Briten am 4. September erstmals die Deutsche Bucht anflogen, um deutsche Flotteneinheiten zu bombardieren, lag die SCHARNHORST mit ihrem Schwesterschiff GNEISENAU vor Brunsbüttel-Reede. Es folgten Wochen intensiver Gefechtsausbildung in der Ostsee.

21.11.1939: Gneisenau (Kommandant Kapitän zur See Förste) und Scharnhorst (Kommandant Kapitän zur See K. C. Hoffmann) unter Führung von Admiral Marschall verlassen Schillig Reede zu einem Vorstoß nach Norden. Ihre Aufgabe ist, englische Bewachungsstreitkräfte in der Enge zwischen den Faröern und Island zu vernichten und nach Möglichkeit weiter nach Westen vorzustoßen, dort aufzuklären and ggf. deutschen auf dem Heimweg befindlichen Handelsschiffen zu helfen. Starker Nordsturm zwingt zunächst zu einer Fahrtverminderung auf 20 kn.

23.11.1939: Gegen 16.00 Uhr kommt eine Rauchfahne in Sicht, unter der langsam ein großer, grauer Passagierdampfer erkennbar wird. Standort und Bewegungen lassen ihn als Hilfskreuzer ausmachen. Er läuft, auf einen Warnschuss der Scharnhorst hin, ab und nebelt sich durch Schornsteinqualm und über Bord geworfene Nebelfässer ein, auch versucht er, sich durch häufige Kursänderungen dem inzwischen einsetzenden Feuer der Artillerie der Scharnhorst zu entziehen. Da die Scharnhorst dem Gegner durch ihre Stellung in der Dwarslinie erheblich näher steht, liegt ihre Artillerie als erste und wirkungsvollste am Ziel, während die Gneisenau erst später eingreift. Der Hilfskreuzer, 16 601 BRT groß, 8 x 15-cm-Geschütze, stellt sich später als der bekannte Passagierdampfer Rawalpindi der P & O-Linie heraus, der zwischen England und Ostasien verkehrt. Dieses Schiff versinkt in 14 Minuten in den Fluten. Es ist aber sehr wichtig, dass es nicht durch Funken, das Feuer seiner Artillerie und durch Schiffsbrand andere, größere Gegner heranlockt.

Die Besatzung der Rawalpindi verteidigt sich tapfer, immer und immer wieder sieht man zwischen brennenden Schiffsteilen das Aufblitzen von Abschüssen. Ein längsseit kommendes Boot mit Überlebenden wird in Empfang und die Männer über Jakobsleitern an Bord genommen. Der größte Teil der Besatzung geht mit dem Schiff in die Tiefe. Die Rawalpindi hatte beim ersten Sichten der beiden deutschen Schiffe Alarm gegeben und die Flottenführung in Scapa Flow und weitere in See befindliche Seestreitkräfte unterrichtet.

Obwohl Admiral Marschall in dieser Nacht ein beträchtliches Stück Richtung Nordsee hätte laufen können ohne bemerkt zu werden, befürchtet er bei Helligkeit frühzeitig durch englische Luftaufklärung erfasst zu werden. Er entschließt sich daher, zuerst nach Osten und dann nach Norden auszuweichen. Er verhält zunächst im Seeraum von etwa 66° N und 5° O, marschiert dann nach Süden zum Durchbruch durch die erwartete britische Aufklärungslinie, macht aber am 25. um 17.00 Uhr noch einmal kehrt nach Norden, da die Wetterverhältnisse für einen Durchbruch ungünstige scheinen.

Am 26. wird die Wetterlage mit südlichen Winden bis zu Stärken 8 bis 10 wie erhofft günstig, und die beiden Schiffe laufen nun mit hoher Fahrt nach Süden. Kein Gegner wird gesichtet, nur einige schwer in der hohen See arbeitende Fischkutter und weit entfernt ein kleiner Dampfer.

Bei der hohen Fahrt gegen eine schwere See nehmen Gneisenau und Scharnhorst viel Wasser über. Auf beiden Schiffen fallen die Türme Anton durch Feuchtigkeit und Kurzschluß aus, auch andere Seeschäden an Waffen werden festgestellt. Der Rückweg wird angetreten. Die Schiffe erreichen ohne Feindberührung die heimischen Gewässer und ankern am 27. November mittags auf Wilhelmshaven Reede. Während die Scharnhorst in Wilhelmshaven ihre Seeschäden repariert, geht die Gneisenau durch den Kaiser-Wilhelm-Kanal zum gleichen Zweck nach Kiel.

Im Dezember 1939 erfolgte die Ausrüstung mit einer Funkmeßanlage. An die Vorkante der Vormarsdrehhaube des Basisgerätes kam ein FuM0 22. Weitere und verbesserte Typen sollten erst später kommen.

27.01.1940: Gemeinsames Auslaufen mit der Gneisenau nach Osten. Meilenfahrten vor Neukrug (auf der Frischen Nehrung). Anschließend Kaliberschießen und zurück nach Kiel. Die Schiffe boxen sich mühselig durch das dicke Eis in den Hafen hinein und bleiben dort unterhalb Hotel Bellevue im Eis liegen. Nach zwei Tagen gelingt das Freikommen.

Quelle: nach Koop/Schmolke: Die Schlachtschiffe der Scharnhorst-Klasse