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Erste Entwurfsstudien eines Schlachtschiffes führten schon
auf 1932 zurück, die Konstruktion eines 38 cm-Zwillingsturmes
hatte bereits 1934 begonnen. Nachdem das Londoner Flottenabkommen
die Grenze von 35 000 ts für einzelne Schlachtschiffe akzeptiert
hatte, beschlossen die Deutschen, zwei Schiffe mit dieser nominalen
Größe zu bauen. Dank der Aktivität der Konstrukteure
in den letzten Monaten des Jahres 1935 konnten im Januar 1936 die
Verträge für die Schlachtschiffe F und G, die bald bekannt
wurden als Bismarck und Tirpitz, abgeschlossen werden.
Am 14. Juni Bauauftragserteilung an die Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven
als Neubau Schlachtschiff »G« - Ersatz SCHLESWIG-HOLSTEIN,
Baunummer 128. Bauort: Helling 2, von der kurz zuvor, am 3. Oktober,
das Schlachtschiff SCHARNHORST abgelaufen war. Die Helling mußte
aufgrund der Größe nochmals etwas ausgebaut und im vorderen
Teil mit einem tragenden Unterbau versehen werden. Für die
Kiellegung gibt es zwei Daten: 24. Oktober und 2. November. Beide
sind aktenmäßig im BA/MA erfaßt. Wahrscheinlich
gilt das erstere für den Beginn aller Bauarbeiten und letzteres
für die offizielle Kiellegung, die fotografisch belegbar ist.
Abgesehen davon, daß jeder Stapellauf für ein Schiff
besondere Beanspruchungen bedeutet, kam bei der TIRPITZ hinzu, daß
neben der Größe auch die engen Verhältnisse der
Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven den Ablauf ziemlich schwierig gestalteten.
Daher war wichtig, die mit jedem Stapellauf verbundenen Berechnungen
und Untersuchungen noch gründlicher durchzuführen. Ein
wichtiger, zu beachtender Punkt ist die Neigung der Helling mit
ihrer Ablaufbahn, denn mit wachsender Schiffsgröße steigert
sich auch der Flächendruck. Die Neigung beträgt bei kleineren
Schiffen bis 1:12, bei größern bis 1: 22. Für die
TIRPITZ wurde die Neigung der Ablaufbahn mit 1:18 festgelegt. Das
geschah aus zwei Gründen: Man nahm Rücksicht auf das Hellinggelände
und wollte möglichst schnell das Freischwimmen des Schiffskörpers
errei-
chen, um die erforderlichen Abbremsmaßnahmen einleiten zu
können. Jeder, von einer Helling stattfindender Stapellauf
findet in vier aufeinanderfolgenden Phasen statt:
-
Vorlauf = Hinabgleiten des Schiffes auf der Ablaufbahn bis
zu dem Augenblick, wo der tiefste Punkt des Objektes die Wasserfläche
berührt
-
Eigentlicher Ablauf = Hinabgleiten des Schiffes mit zunehmendem
Eintauchen, praktisch der Beginn des Aufschwimmens
-
Aufschwimmen
-
Auslauf
Da die Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven über versenkte Hellinge
verfügte, entfiel der Vorlauf, da das Schiff bereits vor dem
eigentlichen Stapellauf durch Fluten der Helling mit seinem tiefsten
Punkt im Wasser
lag. Schon während des Baues wurden Berechnungen angestellt,
wie der Stapellauf ohne Pannen zu realisieren war. Dem kam zugute,
daß man beim Bau der SCHARNHORST schon vor ähnlichen
Problemen gestanden hatte und nun auf diese Erfahrungen zurückgreifen
konnte. Die Bauhafenlänge der Werft betrug 376 m, und wenn
man sich vorstellt, welche Kräfte ein Koloß von der Größe
der TIRPITZ beim Hinabgleiten ins Wasser entwickelt, bedarf es schon
bestimmter Maßnahmen, diese zu bändigen. Die kinetische
Energie ist mehr als 30 000 mt, eine Größe, die die Geschwindigkeit
eines Schnellzuges bei weitem übersteigt. Die die TIRPITZ betreffenden
Untersuchungen umfaßten:
-
Wirkung von Bremsschilden hinsichtlich ihrer Größe
und Anordnung
-
Wirkungsweise der übrigen Bremsmittel, einschließlich
Berechnung der Zugkräfte an Leinen und Ketten
-
Berechnung der beim Ablauf sich entwickelnden Geschwindigkeit
und des zu erwartenden Weges
-
Feststellung der Auf- und Freischwimmpunkte
-
Berechnung des Umfangs der Wasserbewegung in der Helling

Diese ganzen theoretischen Versuche und Berechnungen wurden mit
Hilfe von zwei angefertigten Modellen des Schiffskörpers angestellt
und durchgespielt. Die Modelle des Bauhafens mit den Hellingen und
die Schiffsmodelle wurden im Maßstab 1: 30 hergestellt. Als
Ergebnis der umfangreichen Vorüberlegungen, Versuche und Erprobungen
erhielt das Schiff zum Stapellauf Bremsschilde, Heckanker, Bremsflöße,
Buganker und einen Drehanker. Der Stapellauf am 1. April 1939 ging
ohne Komplikationen vor sich. Anzumerken bleibt, daß der verantwortliche
Marinebeamte für dieses Unternehmen Ministerialrat Hermann
Burkhardt war, der in dieser Zeit zur Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven
gehörte und zuvor verantwortlich für die Konstruktion
dieses Schiffes war.
Stapellauf am 1. April in Anwesenheit Hitlers, der mit großem
Gefolge zu diesem Staatsakt erschienen war. Zahllose Gäste
und hohe Parteifunktionäre, Vertreter aus Politik, Wirtschaft
und Diplomatie und rund 80000 Menschen säumten den Ort des
Geschehens. Hinzu kamen viele Militärs, insbesondere aus der
alten Kaiserlichen Marine und der früheren K. u. K. Kriegsmarine:
Adm a. D. Souchon, Adm a. D. W. von Laus, VAdm a. D. Looff, VAdm
a. D. Wedding, VAdm a. D. Boedicker, VAdm a. D. Frhr. von Rössing,
VAdm z.V. und Staatsrat A. von Trotha, VAdm a. D. Löhlein,
VAdm a. D. Rogge, VAdm a. D. Reymann, VAdm a. D. von Reuter, VAdm
Frhr. von Gagern, VAdm a. D. Rösing, KAdm a. D. Kühlenthal,
KAdm a. D. Pieper, KAdm a. D. Brüninghaus, KAdm a. D. O. Laus,
KAdm a. D. Kranzbühler, KAdm a. D. Saxser, KAdm a. D. von Fischer-Loszainen,
Staatssekretär a. D. und KKpt a. D. Frhr. von Rheinbaben, KAdm
a. D. Mörsberger, KAdm a. D. Retzmann, KAdm a. D. Hering, KAdm
a. D. von Hornhardt, KAdm a. D. von Purschka, KAdm a. D. Türk,
KAdm a. D. Khuepach, KptzS a. D. von Stosch, KptzS a. D. Erler,
Linienschiffskapitän a. D. Dittrich, FKpt a. D. Frhr. von Senarclens-Gran
cy, FKpt a. D. Scheibe, FKpt a. D. Mann, KKpt a. D. Erich E. Schulze,
Kptlt a. D. von Tirpitz. Von der Reichsmarine waren erschienen:
Adm z.V. Prentzel, VAdm a. D. Dr. phil.h.c. Groos, Adm z.V Heusinger
von Waldegg, VAdm a. D. Franz, VAdm z.V. W. von Trotha, KAdm a.
D. Bindseil, KAdm a. D. Coupette, KAdm a. D. Goehle, KAdm a. D.
Seebohm, VAdm z.V. Bartenbach, KAdm a. D. Claaßen, KAdm a.
D. Klüpfel, Admiralitätsrat a. D. Pelte. Von der Kriegsmarine
waren es: Adm Boehm als Flottenchef, Adm Witzell als Chef des Marinewaffenamtes,
VAdm Marschall als Befehlshaber der Panzerschiffe, VAdm Densch als
Befehlshaber der Aufklärungsstreitkräfte, VAdm (Ing) Fechter
als Chef der Schiffsmaschineninspektion, Admiraloberstabsarzt Prof.
Dr. med. Moosauer als Chef des Marinemedizinalamtes und Sanitätschef
der Kriegsmarine, KAdm Lütjens als Führer der Torpedoboote,
KAdm von Schrader als 2. Admiral der Nordseestation, Adm Albrecht
als Marinegruppenbefehlshaber Ost, KAdm Fuchs und nahezu alle Flottillenchefs
und Kommandeure von Marinelanddienststellen.
Die Taufrede hielt VAdm von Trotha, die Taufe vollzog Frau von
Hassell, Tochter des Namensgebers, Großadmiral von Tirpitz,
und Gattin des ebenfalls anwesenden Botschafters z.V von Hassell,
der nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 zum Tode verurteilt wurde.
Die Maschinenerprobungen wurden Anfang April 1940 im Bauhafen
durchgeführt, aber die Tirpitz war noch nicht fertiggestellt.
Klar zur Probefahrt war sie erst am 25. Februar 1941, dem Tag ihrer
Indienststellung.
Sie verließ Wilhelmshaven mit Kurs nach Kiel, durchfuhr den
Nordostseekanal und führte in der Folgezeit ihre Erprobungen
in der Ostsee durch. In den weiteren Monaten war Kiel ihr Stützpunkt,
aber sie lief auch Gotenhafen und Danzig an. Alle ihre Bewegungen
wurden von Agenten, aber auch von den Aufklärungsflugzeugen
der RAF sorgfältig registriert. Mehrfach versuchte die RAF,
sie im Kieler Trockendock zu bombardieren, aber ohne Erfolg.
Die Artillerieerprobungen wurden im Juni 1941 vor Rügen durchgeführt.
Die aufgetretenen Störungen wurden im Juli und August im Hafen
beseitigt. Erst ab 20. September 1941 gab sie ihre letzten erfolgreichen
Schüsse ab. Danach war sie einsatzbereit.
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