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Es bestand nicht die Absicht, Tirpitz gegen die Geleitzüge
PQ 16/QP 12 einzusetzen, die Ende Mai 1942 auf dem Weg waren, obwohl
Admiral Scheer und Lützow ebenfalls einsatzklar bei Narvik
lagen. Die Luftwaffe war nicht in der Lage, eine lückenlose
Aufklärung zu betreiben. Und die war notwendig zur Überwachung
der Bewegungen der Home Fleet, wie Hitler es verlangte.
Mitte Juni 1942 stand genügend Brennstoff in Nordnorwegen
zur Verfügung, so daß die SKL in der Lage war, einen
allgemeinen Flotteneinsatz gegen den folgenden PQ-Geleitzug zu wagen.
Zu dieser Zeit war auch die deutsche Flottenkonzentration in Norwegen
beeindruckend; Tirpitz, drei Schwere Kreuzer (zwei ehem. ,Pocket-Battleships'
und ein echter Schwerer Kreuzer), ein Leichter Kreuzer und zehn
Zerstörer. Außerdem waren auf den Flugplätzen im
Gebiet des Nordkaps von seiten der Luftwaffe - für eine spezielle
Zusammenarbeit - 160 Kampfflugzeuge und 74 Fernaufklärer stationiert.
PQ 17 verließ Reykjavik am 27. Juni 1942 und wurde erstmals
am 1. Juli von Ubooten und Aufklärern gesichtet. QP 13 wurde
am folgenden Tag erfaßt. Dieser Geleitzug wurde jedoch der
Luftwaffe überlassen. Die Kriegsschiffe sollten alle wichtigeren,
nach Osten fahrenden Schiffe angreifen.
Operation Rösselsprung begann am 2. Juli, als die SKL dem
jetzigen Flottenchef, Adm Schniewind, den Befehl erteilte, die Einheiten
für einen Einsatz zu versammeln. Hitler hatte der Operation
zugestimmt, jedoch mit der Auflage, die Flugzeugträger der
Home Fleet müßten erst gefunden werden, vorher dürfe
die deutsche Flotte nicht zum Angriff auf den Geleitzug auslaufen.
Lützow, Admiral Scheer und sechs Zerstörer verlegten
von Narvik in den Altafjord. Tirpitz, Admiral Hipper und vier Zerstörer
verließen Trondheim, um bei den Lofoten zu ankern. Das alles
geschah, ohne daß die britische Luftaufklärung es bemerkte.
Beide Gebiete waren völlig bewölkt. Diese ersten Maßnahmen
verliefen jedoch nicht ohne Ausfälle, Lützow hatte Grundberührung,
als sie am 2. Juli den Ofotfjord verließ und drei von den
Begleitzerstörern der Tirpitz liefen ebenfalls beim Einlaufen
in den Gimsöystraumen auf Grund. Das war am 3. Juli. So blieb
nur Friedrich Ihn übrig, zu dem später Richard Beitzen
stieß. Am Nachmittag des 3. Juli stellten Aufklärer fest,
daß die Tirpitz und Admiral Hipper Trondheim verlassen hatten,
aber das fortgesetzt schlechte Wetter im Raum Narvik und Lofoten
verhinderte ihre Standortbestimmung, und man erkannte nicht, daß
Admiral Scheer und sechs Zerstörer verschwunden waren. Immerhin,
wenn auch die Luftaufklärung nicht in der Lage war, Ergebnisse
zu erzielen, in dem Gebiet zwischen dem Geleitzug und Nordnorwegen
befand sich eine dreifache Ubootsicherung, die aus 13 russischen,
britischen und französischen Ubooten bestand.
In der Nacht vom 3./4. Juli verließ die Tirpitz-Gruppe den
Altafjord, wieder einmal unerkannt. Den Deutschen war bekannt, daß
die Home Fleet mit Duke of York, USS Washington, Victorious und
zwei Kreuzern zwischen Jan Mayen und der Bäreninsel stand.
Adm Toveys Absicht war, den PQ 17 aus einer Position 200 Meilen
Nordwest von der Bäreninsel zu decken, so daß die Albacores
der Victorious klar waren, falls die Deutschen über Wasser
angreifen wollten.
Der erste große Angriff der Luftwaffe fand am 4. Juli statt,
drei Schiffe wurden durch Torpedos versenkt, ein weiteres beschädigt.
Am späten Abend, als der letzte Angriff vorüber war, befand
sich PQ 17 300 Meilen nördlich vom Nordkap, immer noch in guter
Ordnung, bis Archangelsk fehlten noch 900 Meilen. In Sichtweite
befanden sich zwei britische und zwei amerikanische Schwere Kreuzer
sowie drei Zerstörer. Die Kreuzer sollten im Laufe der Nacht
nach Westen abdrehen. Der Ubootstreifen war auf eine neue Linie
im Nordosten des Nordkaps zurückverlegt worden, aber es gab
keine Sichtmeldungen der russischen Uboote, die den Weg nach Tromsö
und in den Altafjord zu beobachten hatten. Am 4. Juli waren vom
in der Nähe Archangelsk gelegenen Lachtasee sechs Consolidated
PBY 5 Catalina-Flugboote der 210. und 240. RAF-Staffel zur Aufklärung
über dem Gebiet zwischen Nordkap und PQ 17 gestartet. Die Suche
blieb ohne Erfolg. Die einzig bekannte Nachricht war, daß
Admiral Scheer Narvik verlassen hatte, eine Feststellung, die erst
48 Stunden später getroffen wurde.
1000 Meilen entfernt, in London, berief der 1. Seelord, Adm Sir
Dudley Pound, eine Stabssitzung ein. Er hatte keine sichere Information
über den Standort der deutschen Einheiten, dafür aber
um so mehr schlechte Nachrichten: Tirpitz und die ,Pocket-Battleships`
befanden sich nicht mehr am üblichen Ankerplatz. Weit entfernt
vom Schauplatz des Geschehens, sah er sich nicht in der Lage, dem
CinC Home Fleet klare Weisungen zu erteilen, aus denen dieser seine
Entscheidungen nach eigenem Ermessen treffen konnte, aber er war
auch nicht gewillt, die Kontrolle über die Lage zu verlieren,
die hauptsächlich in seinen eigenen Befürchtungen existierte.
In der Annahme, daß die deutschen Überwasserstreitkräfte
den Geleitzug angreifen, ihn und die als Nahsicherung fahrenden
Schweren Kreuzer - in einer vermuteten Zeit nach 02:00 Uhr am 5.
Juli - zerstören könnten, gab Pound dem Verbandsführer
der Kreuzer den Befehl, mit hoher Fahrt nach Westen abzulaufen.
Des weiteren wies er den Geleitzug an, sich aufzulösen, und
daß die Schiffe selbständig russische Häfen anlaufen
sollten. Das bedeutete, die Schiffe würden nicht mehr in einer
Geleitzugformation fahren, aber trotzdem auf dem gleichen Kurs bleiben.
Die Bedingungen blieben also die gleichen, nur daß sich jetzt
unterschiedliche Geschwindigkeiten zwischen den einzelnen Schiffen
ergaben. Obgleich diese Maßnahme viel gefährlicher für
den Geleitzug und seine Verteidigung war, würden die Schiffe
noch für mehrere Stunden ziemlich zusammenbleiben, und der
Kurs konnte durch die verbliebenen Geleitfahrzeuge überwacht
werden. Aber Adm Pound hatte nicht die Absicht, den Geleitzug nur
aufzulösen, was ja immer noch eine gefährliche Lage war,
falls schwere Einheiten angriffen. Daher gab er um 21:36 Uhr die
Order, daß sich der Geleitzug völlig zu zerstreuen habe.
Das bedeutete, die Schiffe sollten in verschiedenen Richtungen ablaufen.
Das Zerstreuen würde die Verluste durch Überwasserschiffe
verringern, machte aber einen Schutz unmöglich.
PQ 17 zerstreute sich am 4. Juli um 22:15 Uhr ordnungsgemäß,
als er 800 Meilen von Archangelsk und 360 Meilen vom Altafjord entfernt
stand. Dort befand sich immer noch die Tirpitz, die ihren ersten
Erfolg schon dadurch erzielt hatte, daß sie einfach nur den
Ankerplatz wechselte.
Am 5. Juli wurden sechs Handelsschiffe durch Bomben versenkt und
sechs weitere durch Uboote. Hitler stimmte schließlich der
Operation "Rösselsprung" zu. Sie sollte am Vormittag
beginnen, nachdem bekannt geworden war, daß die Home Fleet
sich etwa 190 Meilen nordwestlich der Bäreninsel befand. Der
deutsche Flottenverband erhielt um 11:37 Uhr den Befehl, den Altafjord
zu verlassen, was im Laufe des Nachmittags dann auch geschah.
Sobald Tirpitz, Admiral Scheer und Admiral Hipper die offene See
erreicht hatten, kam die küstennahe alliierte Sicherung zum
Tragen. Um 17:00 Uhr meldete ein russisches Uboot den Verband und
griff die Tirpitz an, etwa 45 Meilen nordwestlich des Nordkaps.
Zwei Torpedotreffer wurden von K 21 gemeldet aber keiner wurde erkannt,
geschweige denn von den Deutschen bemerkt, diese hatten nicht einmal
den Angriff selbst bemerkt. Um 18:16 Uhr, eine Stunde nachdem K
21 die Sichtmeldung abgegeben hatte, sichtete eine Catalina von
Grasnaja/ Archangelsk die Tirpitz Nordost vom Nordkap und meldete
dies. Schließlich sichtete das britische Uboot P 54 (später
umbenannt in Unshaken) Rauch. Eine Stunde später, um 19:29
Uhr, wurden Tirpitz, Admiral Hipper und sechs Zerstörer 55
Meilen Ostnordost vom Nordkap von Flugzeugen gemeldet. Aufgrund
des zu nahen Aufschließens über Wasser wurde P 54 von
Flugzeugen unter Wasser gedrückt und konnte nicht näher
als 10 Meilen an den Gegner herankommen, aber seine Meldungen waren
von unschätzbarem Wert.
Der deutsche B-Dienst hatte die Sichtmeldungen erfaßt, und
die SKL vermutete aufgrund dieser Meldungen, die Home Fleet und
ihre Flugzeugträger könnten sich dem Nordkap soweit nähern,
daß sie anschließend in der Lage waren, die rücklaufenden
Einheiten abzufangen, falls die Operation fortgesetzt würde.
Die Frage, die starke Luftflotte 5 um Unterstützung zu bitten,
stellte sich nicht. Es war besser, daß sich die ,Ju 88` und
,He 111` weiter mit dem zerstreuten Geleitzug befaßten und
sich die Flotte keinem Risiko aussetzte.
Um 21:32 Uhr erreichte Adm Schniewind der Befehl, Operation "Rösselsprung"
abzubrechen und in den Altafjord zurückzukehren. Der Befehl
wurde ausgeführt, und die deutsche Flotte nahm Kurs auf die
Bogenbucht bei Narvik. Das war am 7. Juli. Bei der Rückfahrt
wurde sie von einer Catalina der RAF aus Valuga/Murmansk gesichtet.
Als der 5. Juli sich seinem Ende zuneigte, hatte PQ 17 fünfzehn
Schiffe verloren. Am 28. Juli, als die letzten übriggebliebenen
elf Schiffe Molotovsk erreichten, waren weitere vier Handelsschiffe
und ein Marinetanker den Bomben sowie vier weitere Schiffe Ubooten
zum Opfer gefallen. Zwei Schiffe hatten sicher Island erreicht.
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