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Der Spitzbergeneinsatz (Operation Sizilien) alarmierte die britische
Admiralität. Es gab zwar keine bedeutenden Ziele für die
deutschen Streitkräfte, trotzdem wurden jetzt von langer Hand
Pläne vorbereitet und in Angriff genommen, die zum Tragen kommen
sollten, falls die Anwesenheit der Tirpitz im Altafjord länger
dauern sollte. 1941 hatte die Admiralität beschlossen, zwei
Prototypen eines Kleinst-Ubootes zu fertigen, X 3 und X 4. Diese
sollten als Minenleger in Küstengewässern verwendet werden.
X3 machte ab Anfang 1942 seine Probefahrten, die Eignung dieses
Typs mit 15,54 m Länge und 27 ts Tauchverdrängung für
Angriffe auf geschützte Ankerplätze wurden schnell erkannt.
Im Mai 1942 erhielt Vickers Armstrong Ltd. einen Auftrag für
den Bau von sechs Kleinst-Ubooten, X 5 bis X 10. Alle wurden so
ausgerüstet, daß sie Seitenladungen mit sich führen
konnten, Container von 2 Tonnen Gewicht, gefüllt mit Amatex-Sprengstoff
und so gefertigt, daß sie sich gut an den Bootskörper
der Kleinst-Uboote anpaßten. Das Kleinst-Uboot sollte an den
ankernden Gegner heranfahren, seine Ladung lösen und dann den
Bereich vor der Detonation wieder verlassen, die mit einem Zeitzünder
ausgelöst wurde.
Die Einsatzboote wurden alle Mitte Januar 1943 abgeliefert und
man hoffte, daß man sie noch vor dem 9. März gegen die
in Trondheim liegende Tirpitz zum Einsatz bringen konnte. Nach diesem
Tag war das Tageslicht für die erfolgreiche Durchführung
zu hell. Es wurde dann aber sehr schnell klar, daß die Besatzungen
in der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit nicht ausgebildet
werden konnten, und der Einsatz wurde bis Mitte September verschoben,
wenn die Nächte wieder länger würden. Die Verschiebung
war zweifellos nützlich. Nicht nur den Besatzungen wurde eine
längere und bessere Ausbildung zuteil, auch die Führungs-
und Unterstützungsprobleme wurden besser erkannt. Das wäre
bei der ersten Planung nicht möglich gewesen. Am 17. April
1943 wurde die 12. U-Flottille aufgestellt. Zu ihr gehörte
ein Depotschiff, die Bonaventure, das die Kleinst-Uboote zur Reparatur
an Bord nehmen konnte.
Auf dem Schiff konnten auch die Ladungen vorbereitet werden, es
war in der Lage, echte Unterstützung zu gewähren. Bonaventure
und die Flottille verlegten nach Loch Cairnbawn in der einsamen
Nordwestecke Schottlands, und im Juni und Juli übten die Kleinst-Uboote
- mit den Großkampfschiffen der Home Fleet als Ziel - das
Anlaufen und Anbringen der Ladungen. Am 1. September 1943 waren
alle Vorbereitungen abgeschlossen und sechs (Aufklärungs-)Uboote
trafen in Loch Cairnbawn ein, um das Schleppen der Kleinst-Uboote
sowie das Übersetzen der Besatzungen zu üben. Wichtig
waren nun neue Informationen über den Standort der Schiffe
im Altafjord, denn die Fahrtüchtigkeit der Kleinst-Uboote war
mehrfach beschränkt, zum Beispiel durch die geringe Unterwassergeschwindigkeit
von nur 2 kn. Daher waren exakte Angaben über das Ziel unerläßlich.

Also starteten am 3. September drei Spitfire PR VII der 541. RAF-Staffel.
Diese hochfliegenden Aufklärer flogen von Leuchars/Fife nach
Vaenga. Zweimal täglich machten sie ihre Einsätze über
dem Altafjord. Am folgenden Tag machten Mosquilos der 540. Staffel
ebenfalls kurze Flüge zwischen Leuchars und Vaenga. Dabei fotografierten
sie alle Ankerplätze in Nordnorwegen, sowohl auf dem Hin- als
auch auf dem Rückflug. Bei dieser intensiven Zielsuche überraschte
es nicht, daß die Abwesenheit der deutschen Flotteneinheiten
am 6. September sofort bemerkt wurde, zur unverständlichen
Verwunderung der Admiralität und der 12. Flottille. Daher wurde
mit großer Erleichterung zur Kenntnis genommen, daß
die Rückkehr in den Altafjord am 9. September ebenfalls sofort
gemeldet wurde. Am Nachmittag des 11. September verließen
die ersten fünf Kleinst-Uboote Loch Cairnbawn. Die Uboote Trasher,
Truculent und Stubborn schleppten X 5, X 6 und X 7, die vorgesehen
waren, die Tirpitz im Kaafjord anzugreifen. Sea Nymph und Syrtis
hatten X 8 und X 9 im Schlepp, die Lützow und Scharnhorst im
Langefjord angreifen sollten. X 10, das ebenfalls auf Scharnhorst
angesetzt war, lief wegen der kürzeren Entfernung zum Einsatzort
bei der Insel Söröy erst am folgenden Tag aus und wurde
von Sceptre geschleppt.
Bis Mitternacht des 14./15. September blieb das Wetter gut, und
die schleppenden Uboote fuhren über Wasser. Die Kleinst-Uboote
befanden sich überwiegend unter Wasser und tauchten nur auf
zur Lufterneuerung, etwa alle vier Stunden. In den frühen Morgenstunden
des 15. September brach die Schleppverbindung zwischen Sea Nymph
und X 8, ohne daß ersteres es bemerkte. Das treibende Kleinst-Uboot
traf auf Stubborn und X 7, denen die Schleppleine ebenfalls gebrochen
war, kam in den ersten Stunden des 16. September erneut vom Kurs
ab und wurde wahrscheinlich am späten Nachmittag erneut von
Sea Nymph ins Schlepp genommen, nach 40 Stunden schrecklicher Einsamkeit.
Etwa zu der Zeit, als X 8 die unverhoffte Begegnung mit Stubborn
hatte, taucht X 9 nach einer Lufterneuerung und wird nie mehr von
Syrtis gesehen, die über 36 Stunden suchte, nachdem sie festgestellt
hatte, daß die Schleppverbindung unterbrochen war. Die Schwierigkeiten
von X 8 waren noch nicht vorüber. Während des Nachmittags
des 17. September wurde festgestellt, daß die Seitenladungen
leck waren, und beide wurden abgeworfen. Eine detonierte in einer
Entfernung von 900 m, aber sie verursachte keine Schäden an
X 8 und Sea Nymph. Die andere detonierte in 6400 m Entfernung und
beschädigte X 8 derart, daß es versenkt werden mußte.
Auf Sea Nymph zerplatzten eine Reihe Gläser der Überwachungsinstrumente.
Trasher, Truculent und Sceptre erfreuten sich einer unbehelligten
Überfahrt mit ihren Kleinst-Ubooten, und das trotz der aufgewühlten
See. Die beiden ersteren trafen am 17. September, Sceptre am 19.
September und Stubborn am 20. September vor der Küste ein.
Die Besatzungen, die die Angriffe durchführen sollten, stiegen
auf die Kleinst-Uboote über, und die geduldigen Überführungsbesatzungen
wechselten über auf die wesentlich geräumigeren Uboote,
die die Kleinst-Uboote am frühen Abend des 20. September zum
Einsatz im Altafjord entließen.
Die Kommandanten der Kleinst-Uboote hatten sich vorsorglich abgesprochen,
daß sie ihre Ladungen am 22. September zwischen 05:00 Uhr
und 08:00 Uhr werfen wollten, und daß keiner am 22. vor 01:00
Uhr die Sperre durchbrechen sollte. X 5, X 6, X 7 und X 10 passierten
die erste Sperre, ein Minenfeld vor Söröy, in der Nacht
des 20./21. September und ein einzelnes Wachfahrzeug im Stjernsund
am 21. September. X 5 wurde seit dem vergangenen Abend nicht mehr
gesehen und von den anderen war nur X 7 noch ohne Störungen.
X 6 hatte Schwierigkeiten mit dem Sehrohr und X 10 verschiedene
Probleme. Trotzdem befanden sie sich alle in Angriffsposition auf
Tirpitz und Scharnhorst, als sie stoppten, um aufzutauchen und die
Luft zu erneuern. Zugleich wurden die Batterien aufgeladen. Alles,
was jetzt noch zwischen ihnen und den Zielen lag, waren die Netzsperren.
Vor dem Ankerplatz der Tirpitz befand sich eine Netzsperre, die
sich quer vor der Einfahrt in den Kaafjord - von Ufer zu Ufer -
erstreckte, innen befanden sich eine Reihe von Liegeplätzen,
die ebenfalls von eigenen Netzen umgeben waren. Das Netz vor dem
Kaafjord, 47,25 m tief, wurde ohne Schwierigkeit passiert. Das Kleinst-Uboot
benutzte dazu die 400 m breite Durchfahrt, wo das Netz nur 10 m
tief war. Die Einfriedung bei Barbrudalen, in der Tirpitz lag, war
von einem 15,24 m tiefen doppelten Torpedonetz umgeben, an das sich
nach unten ein Netz mit größeren Maschen anschloß,
das bis auf den Grund reichte. Der einzige Zugang zum Barbrudalen
war möglich durch eine 20 m breite Öffnung, wo das Netz
eine maximale Tiefe von 33,5 m hatte.
Da die Telefonverbindung nach Land unterbrochen war, wurde in der
Nacht vor dem Angriff das Netz offengelassen, und es herrschte ein
lebhafter Bootsverkehr zwischen dem Schiff und der Landbefehlsstelle
auf dem Bossekop. In Erkenntnis, daß dieser Umstand einem
Unterwassergegner zugute kommen könnte, hatte der Kommandant
der Tirpitz angeordnet, daß die Unterwasserhorchanlage bis
zum 22. September 06:00 Uhr zu besetzen sei.
Ungeachtet dieser Maßnahmen, ergaben weder die vorhandene
Lücke, noch die vorbeugenden Maßnahmen der Tirpitz einen
Vorteil für dieses oder die anlaufenden Kleinst-Uboote, wahrscheinlich
mit Ausnahme von X 5. X 6 unter Lieutenant D. Cameron, fuhr um 07:05
Uhr durch die Lücke, hatte dabei aber immer noch Schwierigkeiten
mit dem gefluteten Sehrohr und lief auf eine Untiefe. Dabei wurde
das Boot an der Bb-Seite des Schlachtschiffes entdeckt.
Ernsthaft behindert durch den Ausfall des Sehrohres und der Kreiselanlage,
löste Cameron seine Sprengladung im Schatten seines Bootes
und versuchte, sie an der Seite in Höhe von Turm B` zu plazieren.
X 6 wurde durch Geschützfeuer versenkt, die vier Mann der Besatzung
von einem Motorboot des Schlachtschiffes aufgefischt. X 7 war gleich
zu Beginn in einem Netz verfangen, das zuvor der Lützow gedient
hatte, und hatte mehr als eine Stunde benötigt, um freizukommen.
Lieutenant B. C. G. Place, folgte dann um etwa 07:15 Uhr der Strömung
in den Barbrudalen. Place sichtete die Tirpitz in etwa 46 m Entfernung
und kam an die Oberfläche, nachdem er das Netz passiert hatte.
Er legte seine Ladung mit Bedacht, eine unter dem Turm B nahe Camerons
beiden Ladungen, die andere zwischen dem mittleren Maschinenraum
und Turm C. Die folgenden 15 Minuten waren nötig, um wieder
aus dem Netz herauszuschlüpfen, jetzt allerdings unter dem
Beschuß der Nahbereichswaffen der Tirpitz. X 7 war schwierig
zu steuern, der Kreisel war ausgefallen. Place´s Versuch,
den Bereich zu verlassen, bevor die Ladungen hochgingen, schlug
fehl.
Lieutenant Cameron befand sich mit seiner Besatzung mittlerweile
an Bord der Tirpitz, und die Besatzung des Schlachtschiffes erkannte,
daß irgendetwas unter Wasser am Schiffskörper sein müsse
oder auf dem Grund darunter (35 bis 40 m), unter dem Kiel. Man war
etwas ratlos, wie man am besten einer Beschädigung begegnen
könne. Aber da man nicht wußte, ob nicht außerhalb
des Barbrudalen weitere, unbekannte Gefahren lauerten, wurde beschlossen,
den Schutz des Netzes nicht zu verlassen. Unter dem Schiff wurde
ein Kabel von vorn nach achtern durchgezogen, um irgendwelche Ladungen
am Schiffskörper zu finden. Um das Schiff vom Untergangsort
des X 6 zu entfernen, wurde der Bug nach Stb gedreht, indem man
die Stb-Ankerkette hievte und die Bb-Kette nachließ. Ein Motorboot,
ausgerüstet mit Handgranaten, fuhr seit etwa 0715 Uhr das Netz
ab. Aber abgesehen von dieser Patrouille und der Feuereröffnung
auf jeden fragwürdigen Gegenstand in der Nähe wurde von
seiten der Tirpitz wenig unternommen, außer, daß der
Schottendichtzustand hergestellt wurde.
Lieutenant Place´s zweite Ladung detonierte um 08:12 Uhr
an der Bb-Seite, etwa 6 m seitlich des mittleren Maschinenraumes,
unmittelbar danach folgte die andere Ladung, 61 m vor dem Bb-Bug.
Die Tirpitz schüttelte sich gewaltig, der Großteil der
elektrischen Beleuchtung und nahezu alle elektrischen Systeme fielen
schlagartig aus. Leere Außenschutzräume an der Bb-Seite,
in der Nähe des hinteren Explosionsortes, begrenzten das Fluten
des Diesel-Generatorraumes 2, einiger Doppelbodenabteilungen und
einer Reihe Heizölbunker. Die einsetzende Bb-Schlagseite von
1° wurde sofort durch Gegenfluten im Bb- und mittleren Maschinenraum,
der Flak-Rechenstelle und des DiGenRaum 1 bereinigt. Die Fundamente
der meisten Diesel-Generatoren waren gerissen und für einige
Zeit gab es nur einen Diesel-Generator für die benötigte
elektrische Energie.
In dem Augenblick, als die Ladungen hochgingen, befand sich X 7
etwa 100 m entfernt und saß im äußeren Torpedonetz
fest. Der Detonationsschock befreite das Boot, aber ließ alle
verbliebenen Instrumente ausfallen, so daß diese nicht mehr
verwendbar waren. Obgleich Lieutenant Place weiter bemüht war,
zu entkommen, durchbrach das Boot die Wasseroberfläche und
war damit dem Beschuß von allen Seiten ausgesetzt. Um 08:35
Uhr befand sich das Boot etwa 200 m vor dem Stb-Bug der Tirpitz,
nahe einer Zielboje und der Kommandant beschloß oben zu bleiben,
damit die Besatzung das Boot verlassen konnte. Aber gerade als er
die Boje betrat, sank X 7, und mit ihm die drei anderen Besatzungsmitglieder.
Nur einem, Sub-Lieutenant R. Aitken, gelang es um 11:15 Uhr mit
einem Davis-Tauchretter auszusteigen.
Um 08:43 Uhr durchbrach ein weiteres KleinstUboot etwa 320 m vor
dem Stb-Bug des Schlachtschiffes die Wasseroberfläche. Die
Beschießung mit Nahbereichwaffen und 10,5 cm-Flak setzte sofort
ein. Das Boot wurde getroffen und sank, die Untergangsstelle von
Z 27 mit Wasserbomben belegt. Das Boot war vermutlich X 5, unter
der Führung von Lieutenant H. Henty-Creer. Es war zuletzt um
Mitternacht am 20. September von X 6 und X 7 bei Söröy
gesehen worden. Über die nachfolgenden Bewegungen ist nichts
bekannt, und es ist möglich, daß Lieutenant Henty-Creer
durchgebrochen und aus dem Barbrudalen unentdeckt entkommen ist,
aber wie X 7 dem Detonationsdruck zum Opfer fiel. Für ihren
erfolgreichen Angriff auf die Tirpitz erhielten die Lieutenants
Cameron und Place das Victoriakreuz, alle überlebenden Teilnehmer
wurden ebenfalls ausgezeichnet. X 10, das die Scharnhorst angreifen
sollte, wurde durch eine Reihe von Störungen daran gehindert.
Der Kreiselkompaß fiel aus und ein Brand des Sehrohrausfahrmotors
zwang den Kommandanten, Lieutenant Hudspeth, aufzugeben. Er befand
sich zu dieser Zeit etwa 5 Meilen im Kaafjord und löste seine
Ladungen 12 Stunden, nachdem er 11 heftige Detonationen zur Zeit
des vorgesehenen Angriffs wahrgenommen hatte. Zurückgekehrt
zum verabredeten Treffpunkt, wartete X 10 insgesamt 50 Stunden vor
Söröy, bevor es Kontakt mit Stubborn aufnahm. Das war
um Mitternacht des 27./28. September. Die Rückfahrt war wegen
der schweren See sehr schwierig, und in den Abendstunden des 3.
Oktober wurde X 10 von der Besatzung verlassen und versenkt.
Die Bestandsaufnahme auf der Tirpitz am Vormittag des 22. September
zeigte, daß - obgleich die wasserdichte Unterteilung nur wenig
gelitten hatte - die Antriebsturbinen und das Artilleriefeuerleitsystem
erheblich beschädigt worden waren. Alle Turbinenunterbauten,
Wellenlager, Drucklager und Hilfsmaschinenfundamente waren gerissen
oder unklar. Das Gehäuse der Bb-Turbine und das Kondensatorgehäuse
waren beschädigt. Die Propeller konnten nicht gedreht werden.
Die Bb-Ruderanlage war durch das Fluten über eine undichte
Stopfbuchse unklar, der Rudermaschinenraum war abgesoffen. Das kam
durch den Schock der Detonation. Alle Türme der schweren Artillerie
waren aus ihren Drehkränzen gesprungen, die Drehscheiben, die
das volle Gewicht der Türme aufnahmen, aus der Flucht. Aber
nur die Türme A und C, am dichtesten am Detonationsort, waren
über mehrere Wochen außer Betrieb. Der achtere 15 cm-Turm
Bb 111 war total verklemmt. Die Hauptartillerieleitstände blieben
unbeschädigt, und die einzigen intakten E-Meß-Geräte
waren im Vormars und im Turm B. Die E-Meß-Geräte des
Kommandoturms und im Turm D waren total zerstört, die der Mittelartillerie
mußten sämtlich ersetzt werden. Beide achteren Flak-Leitgeräte
waren beschädigt und nicht einsatzklar. Von den vorderen beiden
war nur eines noch voll stabilisiert. Zwei Arado Ar 196 As, die
an Deck und außerhalb der Hangars gestanden hatten, waren
mehrfach beschädigt, das Katapult unbrauchbar. Vom verwundeten
Personal starb ein Soldat, 40 mußten ins Lazarett.
Es war klar, ohne Hilfe und ohne das Risiko mit Sicherheit stattfindender
alliierter Luft-, Überwasser- und Ubootangriffe konnte Tirpitz
nicht nach Deutschland zur Reparatur zurückkehren. Eine Luftsicherung
in dem Maße wie beim Kanaldurchbruch 1942 war im nördlichen
Norwegen einfach nicht möglich. Die Seestreitkräfte, die
verfügbar waren für ein Geleit, waren nicht ausreichend
gegen die Home Fleet.
Im September wurde zugestimmt, die Tirpitz im Altafjord zu reparieren.
Die Arbeiten, die durchzuführen waren, erforderten normalerweise
die Unterstützung einer voll ausgerüsteten Werft und die
Hilfe der Fachleute aus den einzelnen Herstellerfirmen, die die
nötige Qualifikation hatten. Für die Tirpitz war nichts
dergleichen vorhanden. Alle Austausch- und Ersatzteile mußten
von Deutschland herangeführt werden, und zwar auf dem Wasserwege.
Anschließend wurde es vom Personal des Schiffes selber eingebaut,
mit einem Minimum an fremder Hilfe. Ein Docken in einem Schwimmdock
kam auch nicht in Frage (die deutsche Marine verfügte nur über
ein Dock dieser Größe, und es stand außer Frage,
dieses für die Tirpitz nach Norwegen zu überführen).
So wurden die Unterwasserschäden denn durch Taucher beseitigt.
Diese dichteten den Schiffsboden mit Zement ab. Die undichte Stopfbuchse
am Bd-Ruder wurde mit Hilfe eines Kofferdammes ausgewechselt. Trotz
aller Schwierigkeiten war die Mehrzahl der Reparaturen in der ersten
Märzhälfte 1944 abgeschlossen. Tirpitz verließ am
15. März den Barbrudalen und führte am folgenden und nachfolgenden
Tag Standproben im Hafen durch. Alle Erprobungen der Hauptmaschinen
und Waffen wurden im Bereich des Altafjordes abgeschlossen. Störungen,
die sich dabei ergaben, wurden in den folgenden zwei Wochen beseitigt,
und sie wurde vorbereitet für die Meilenfahrt und die MES-Vermessung.
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