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Am 12. März 1942 nahmen deutsche Aufklärungsflugzeuge
in diesen Gewässern erstmalig Kontakt auf mit dem südlich
der Insel Jan Mayen stehenden Geleitzug PQ 12. Er wurde gesichert
durch den Leichten Kreuzer Kenya und zwei Zerstörer, aber die
Fernsicherung bestand aus der Home Fleet mit den Schlachtschiffen
King George V und Duke of York, dem Schlachtkreuzer Renown, einem
Schweren Kreuzer und dem Flugzeugträger Victorious. Dieser
Verband kreuzte abgesetzt, etwa 100 Meilen vom Geleitzug entfernt.
Erst am 7. März wurde er entdeckt. Inzwischen hatte der Befehlshaber
des deutschen Marinegruppenkommandos Nord um Erlaubnis gebeten,
Tirpitz und Admiral Scheer gegen den Geleitzug anzusetzen. Die SKL
zauderte, und als die Genehmigung am 6. März erteilt wurde,
galt sie nur für Tirpitz und drei Zerstörer, weil Admiral
Scheer zu langsam war, um in einem Verband zu operieren. Tirpitz,
mit der Flagge des VAdm Ciliax, verließ am 6. März mittags
Trondheim zu ihrer ersten offensiven Unternehmung - Operation Sportpalast.
Zum zweitenmal innerhalb von drei Wochen versäumte es die
RAF, ein wichtiges deutsches Überwasserschiff zu erfassen,
als es den Hafen verließ. Die übliche tägliche Aufklärungsgruppe
stellte das Fehlen der Tirpitz nicht fest, und die Nahsicherung
des PQ 12 wurde aufgehoben. Glücklicherweise wurden Tirpitz
und die Zerstörer Z 25, Hermann Schoemann und Friedrich Ihn
von den dort stehenden Ubooten Trident und Seawolf gesichtet, als
sie die nördlichen Gewässer von Trondheim am 6. März
gegen 17:00 Uhr verließen. Keines der Uboote war dicht genug,
um einen Angriff zu wagen, sie waren auch nicht in der Lage, das
große Schiff zu identifizieren, aber Seawolf gab ein alarmierendes
Signal an die Admiralität, die die Nachricht an den CinC Home
Fleet, Adm Sir John Tovey, weiterleitete.
Tirpitz fuhr mit nördlichem Kurs, um den PQ 12 abzufangen.
Vom Geleitzug waren keine weiteren Sichtmeldungen eingegangen, die
ursprüngliche Meldung hatte eine Geschwindigkeit von 2 kn angegeben.
Das Wetter war schlecht, Schneeschauer und Nieselregen, so daß
sie ihre beiden Arado Ar 196A Seeflugzeuge nicht starten konnte,
um den Geleitzug zu suchen. VAdm Ciliax detachierte seine drei Zerstörer
zur Suche in Nordnordwest, während Tirpitz nach Nordwest, hinter
der vermuteten Position des Geleitzuges suchte. Das schlechte Wetter
verhinderte vermutlich eine Entdeckung der Tirpitz, und eine Stunde,
nachdem die deutschen Zerstörer weggeschickt worden waren,
am 7. März um 10:00 Uhr, übernahm Victorious die Luftsicherung
in einem östlichen Sektor bis zu einer Tiefe von 120 Meilen.
Zu dieser Zeit stand Tirpitz 110 Meilen ostsüdöstlich
der Home Fleet, mit Kurs auf einen vorgesehenen Suchsektor. Die
drei Zerstörer standen etwa 25 Meilen nördlich der Tirpitz
und 95 Meilen südöstlich vom PQ 12. Die starke Eislage
führte zu einer Einstellung der Suche, und die Home Fleet drehte
ab, um bessere Flugbedingungen zu finden. Gegen Mittag passierten
sich die beiden Geleite PQ 12 und der rücklaufende QP 8 in
einem Schneesturm, der die Sicht auf weniger als eine Meile minderte.
Zwei Stunden später passierte der am weitesten östlich
stehende deutsche Zerstörer Z 25 den Geleitzug QP 8 vor dessen
Spitze und in einem Abstand von weniger als 10 Meilen. Beide Seiten
nahmen einander nicht wahr. Um 15:45 Uhr sichtete Z 25 Rauch in
nördlicher Richtung. Dieser stammte von dem QP 8 abgekommenen
russischen Frachter Ijora. Ijora gab um 16:32 Uhr ein Notsignal
mit genauer Positionsangabe ab. Es dauerte immerhin noch bis 17:15
Uhr, bis Friedrich Ihn den Frachter versenkt hatte, das war in dem
Moment, als die Tirpitz auf der Szene erschien. Das war zugleich
die dichteste Berührung mit einem alliierten Überwasserschiff
während ihrer gesamten Dienstzeit. Zu dieser Zeit stand sie
75 Meilen Nordwest vom PQ 12, mit der Home Fleet in ca. 150 Meilen
im Südwesten. Die deutsche Marine war in völliger Unkenntnis
der Anwesenheit der Home Fleet bzw. über den Standort der beiden
Geleitzüge, aber die Home Fleet hatte die SOS-Rufe der Ijora
aufgefangen und die nachfolgenden Funksprüche der deutschen
Einheiten dazu. Diese wurden von den Hochfrequenz-Funkpeilern der
Flotte erfaßt. Adm. Tovey war sich nicht im klaren darüber,
ob die Sendefrequenzen von einer schweren deutschen Einheit stammten,
und teilte seinen Verband, indem er sechs Zerstörer der 17.
Zerstörer-Flottille entließ.

Sie sollten einen Suchstreifen bilden, entlang des direkten Weges
von der letzten Positionsmeldung der Ijora bis nach Trondheim. Die
schweren Einheiten, nur noch mit einem Zerstörer als Sicherung,
nahmen Kurs auf die Bäreninsel, um dort eine Wartestellung
einzunehmen. Die Entscheidung, die Zerstörer zu detachieren,
wurde noch untermauert durch eine weitere Funkpeilung, die klarmachte,
daß eine gegnerische Einheit mit hoher Fahrt nach Süden
lief. Das war tatsächlich der Fall, es war Friedrich Ihn, mit
Kurs auf Tromsö zur Brennstoffergänzung. Tirpitz und die
beiden anderen Zerstörer liefen während der Nacht weiter
auf östlichem Kurs, um eine vorgesehene Position südöstlich
der Bäreninsel einzunehmen, von wo aus sie am folgenden Tag
erneut die Suche aufnehmen wollten. Es währte noch bis zum
späten Abend des 7. März, bis VAdm Ciliax Kenntnis davon
erhielt, daß die Home Fleet in See stand, aber er erhielt
keine Angaben darüber, wo sie sich befand. Die ungesicherte
Home Fleet drehte um Mitternacht des 7./8. März nach Süden
ab. Adm Tovey beabsichtigte nicht, ohne einen Zerstörerschirm
in ein Ubooteinsatzgebiet bei der Bäreninsel zu geraten, und
er wollte auch die abgeteilten Zerstörer bis zur Morgendämmerung
decken. Etwa um 04:00 Uhr stand er 80 Meilen westlich der 17. Zerstörer-Flottille,
die sich in der Drehung befand und 200 Meilen südwestlich der
Tirpitz stand. Zur gleichen Zeit entließ das deutsche Schlachtschiff
Z 25 und Hermann Schoemann zur Brennstoffergänzung nach Tromsö.
PQ 12 befand sich nur 90 Meilen nordwestlich von dieser Position,
mit Kurs auf die Eisgrenze westlich der Bäreninsel, nördlich
des vorgesehenen Kurses und noch weiter nördlich, als vom Marinegruppenkommando
Nord vermutet. Das Ergebnis war, die drei Hauptkontrahenten, Tirpitz,
PQ 12 und Home Fleet, befanden sich in den folgenden 16 Stunden
auf einander völlig unbekannten Positionen. Tirpitz fuhr nach
Westen und war nie näher als 55 Meilen am Geleitzug, und die
Home Fleet steuerte mit 24 kn Island an, um dort einige brennstoffstarke
Zerstörer aufzunehmen, bevor sie wieder nordwärts drehte.
Dabei wurde Adm Tovey von der Admiralität unterstützt,
die vier Kreuzer in zwei Positionen beordert hatte, jeweils 190
Meilen südlich und östlich von Jan Mayen, um dort als
Tanker" für die in Island, Scapa Flow, Rosyth und
Loch Ewe stationierten Zerstörer zu dienen. Um 18:20 Uhr drehte
die Home Fleet erneut auf Nordost, Absicht war es, erneut einen
Suchstreifen zwischen der Bäreninsel und der norwegischen Küste
zu bilden. Erstmalig unterbrach Adm Tovey die Funkstille, um die
Admiralität über seine Absichten zu informieren und zu
melden, daß er ohne Zerstörersicherung war. Die Meldung
wurde vom deutschen B-Dienst nicht erfaßt, dafür wurde
von den Briten aber vier Minuten zuvor eine Meldung an Tirpitz mitgehört.
Das Marinegruppenkommando Nord setzte VAdm Ciliax davon in Kenntnis,
daß man glaube, der PQ 12 sei zurückgelaufen, da er seit
dem 5. März nicht wieder gesichtet worden sei. Diese Meldung
brachte die Home Fleet in eine vorteilhafte Lage. Zwei Stunden später,
Tirpitz lief nach Süden, gab Ciliax einen Spruch ab an die
Zerstörer in Tromsö, mit dem ihnen befohlen wurde, einen
Treffpunkt vor den Lofoten anzulaufen. Daraus ergab sich eine neue
Lage, zeigte sich doch, daß eine deutsche Einheit nach Süden
lief.

Also nahm in den frühen Morgenstunden des 9. März die
Home Fleet Kurs auf die Lofoten. Die Fahrt wurde auf 26 kn erhöht,
und es war beabsichtigt, in der Dämmerung des Morgens Suchflugzeuge
von der Victorious zu starten. Victorious hatte auch an der Jagd
nach der Bismarck im Mai 1941 teilgenommen, und obwohl ihre Kampfflugzeuge
erst drei Tage zuvor an Bord gekommen waren und weder das Schiff
noch die Flugzeuge voll einsatzbereit gewesen waren, hatten die
Swordfish der 825. Staffel einen Torpedotreffer erzielt. Nun aber
war sie voll einsatzfähig und ihre beiden Albacore-Staffeln
befanden sich seit dem Winter 1941/42 an Bord. Die 817. und 832.
Staffel hatten an der nächtlichen Suche nach Admiral Scheer
im Februar teilgenommen, aber unglücklicherweise ging dabei
der Staffelkapitän der 832. Staffel verloren. Hinzu kam, daß
der Führer der 817. Staffel, kurz bevor das Schiff zum Schutz
des PQ 12 auslief, ausgewechselt wurde. Keiner der beiden Staffelkapitäne
hatte bisher Gelegenheit gehabt, einen wirklichen Angriff zu fliegen,
und nun schickten sie sich an, einen Angriff auf die Tirpitz zu
führen. Obwohl die Piloten eine Anzahl Blindangriffe durchgeführt
hatten, hatte ein echter Mangel an wirklichen Torpedoangriffen bestanden
(Torpedos mit Ballast anstelle von Sprengköpfen), die ein echter
Maßstab gewesen wären für den Ernstfall. Die Taktik
des Torpedoangriffs war in ihrer Anwendung innerhalb der Royal Navy
zu dieser Zeit sehr unterschiedlich. Trotzdem genoß sie seit
10 Jahren einen guten Ruf. Zugegeben, die Marineflugzeuge waren
langsam und eigneten sich gut als Ziel für die Artillerie,
aber die entwickelten Taktiken brachten auch die schwierigsten Probleme
für die Feuerleitung gegenüber den vorhandenen Flugzeugen
mit sich. Aus mittlerer Höhe anfliegend - meistens etwa 1800
bis 2750 m - formierte sich die Angriffsformation vor dem Ziel zum
Anflug und stieß stufenweise herab bis zu einer Höhe
von etwa 61 m über dem Wasser. Das war etwa eine Meile vor
dem Ziel. Der Torpedo wurde dann auf eine Entfernung von 900 m und
weniger abgeworfen. Bei einem Angriff von nur drei Flugzeugen konnten
die anderen Gruppen die Bewegungen des Zieles verfolgen und so entsprechend
darauf reagieren, wenn sie selber angriffen. Die maximale erlaubte
Grundgeschwindigkeit, den Torpedo aus einer Höhe von weniger
als 61 m abzuwerfen, war 150 kn. Der Torpedo war vom Typ Mark XII
(45,7 cm). Diese Geschwindigkeit war kein Faktor, der für eine
Überlebenschance zu berücksichtigen war. Er beruhte darauf,
daß die gegnerische Feuerleitung immer nur Gelegenheit hat,
einzelne Ziele zu erfassen, und wenn das Flugzeug dicht über
dem Wasser war, hatte der Pilot Gelegenheit, letzte Korrekturen
vorzunehmen.
Die Fairey Albacore war ein vielfach verwendbarer Torpedo- und
Aufklärungsdoppeldecker, 1936 konstruiert und seit Sommer 1940
eingeführt. Im Vergleich zur früheren Swordfish war es
ein weit verbessertes Flugzeug. Man hatte nicht nur die großen
Vorteile des 1010 PS-Bristol Taurus-Motors voll ausgenutzt, sondern
auch der Flugeigenschaft größte Aufmerksamkeit gewidmet.
Die maximale Fluggeschwindigkeit lag bei 155 kn bzw. bei ca. 130
kn mit Torpedoladung.
Um die Geschwindigkeit beim Abtauchen zum Angriff auf die Torpedoabwurfgrenze
zu drosseln, benutzte die Albacore` Sturzflugbremsen. Der Pilotensitz
befand sich vor den Flügelkanten, der Kopf des Piloten in der
Ebene der oberen Tragfläche, so daß er einen guten Überblick
beim Angriff und auch bei der Deckslandung hatte. Der Beobachter/Funker/Bordschütze
hatte einen geräumigen Sitz hinter den Tragflächen. Beide
Sitze waren voll geschlossen. Gewisse Schwierigkeiten hatten sich
mit der Installation eines Luft/Seeraumüberwachungsradars in
die Albacore ergeben, und so waren nur knapp ein Dutzend Flugzeuge
der Victorious damit ausgerüstet. Um 0645 Uhr am 9. März
starteten von jeder Staffel drei Albacores. Der Start erfolgte auf
einer Position 170 Meilen nordwestlich zum Eingang in den Vestfjord,
der Hauptzufahrt nach Narvik. Sie bildeten einen Suchstreifen, der
einen 50°-Sektor von Ost nach Südost abdeckte, eine Gesamtdistanz
von 150 Meilen. Die Sicht war sehr gut, nur unterbrochen von einzelnen
Schneeschauern, aber die Wolkendecke befand sich in 600 m Höhe
und mit einer Vereisung der Verspannung und der Motoren mußte
bei jeder Wolkenhöhe gerechnet werden. Der Wind kam in Spitzen
von 35 kn aus Nordost und verlieh dem Gegner Wetterschutz, ein Vorteil,
der im Zeitalter des Flugzeuges genauso groß war wie zur Zeit
der Segelschiffe.
Nachdem die Aufklärungsflugzeuge gestartet waren, wurden 12
Albacores, sieben der 832. und fünf der 817. Staffel, an Deck
gefahren und mit Torpedos ausgerüstet. Dieser Verband startete
um 07:35 Uhr unter Führung von LtCdr W. J. Lucas, RN, dem Chef
der 832. Staffel. Die Albacores flogen in südöstlicher
Richtung und folgten dem Kurs des Sub-Lieutenant (A) T.T. Miller,
RN, mit seiner T 9215 Albacore F der 832. Staffel. Als die Suche
begann, stand Tirpitz 115 Meilen Ostsüdost von der Home Fleet
und hatte Kurs auf Trondheim, um 06:50 Uhr traf sie mit Friedrich
Ihn zusammen. Um 08:00 Uhr, als sie nur noch 70 Meilen südöstlich
der Home Fleet stand, wurde sie von der Besatzung einer 4F gesichtet,
und die erste Sichtmeldung wurde um 08:03 Uhr abgegeben: "One
BS 160°".
Weitere Sichtmeldungen kamen später über eine Albacore
4 L, die als Verbindungspunkt zur Victorious fungierte, während
zwei weitere, Albacores H der 832. und F der 817. Staffel um 08:45
Uhr bzw. 08:16 Uhr ebenfalls Fühlungshalteraufgaben übernahmen.
Tirpitz hatte die 4F um 08:15 Uhr gesichtet und VAdm Ciliax war
der Überzeugung, daß es nun nur noch eine Frage der Zeit
war, bis ein Torpedoangriff erfolgen würde. Daher drehte er
bei und nahm Kurs auf den schützenden Vestfjord und Narvik,
dessen Einfahrt nur 50 Meilen östlich lag.
Der Angriffsverband hatte die erste Sichtmeldung ebenfalls aufgefangen,
genauso wie die späteren Positionsangaben der ,4F` und ,5F`,
und auch den Kurswechsel des Schlachtschiffes um 08:32 Uhr. Um 08:42
Uhr sichtete LtCdr Lucas die Tirpitz auf eine Entfernung von 20
Meilen, und drei Minuten später stieg er mit seinem Verband
von 150 m auf eine Höhe von 1050 m. Von dort sollte der Angriff
erfolgen. Nachdem sie außerhalb der Radarreichweite auf Sichtweite
herangeschlossen waren, befanden sich die Albacores in den Wolken,
dicht bei der Tirpitz, wobei sie ihr Radar benutzten, um das Ziel
zu erfassen. Die Wolkendecke und das Radar waren die einzigen Vorteile
der Albacores, denn Tirpitz fuhr unbeirrt mit 26 kn in den Wind
von 36 kn Geschwindigkeit hinein. Die Flugzeuge hingegen flogen
mit ihrer besten Marschgeschwindigkeit von 90 kn an, somit hatten
sie nur eine Annäherungsgeschwindigkeit von 1/2 Meile pro Minute.
Ein weiteres Handicap war die Vereisung. Um dem Verband Freiheit
zum Handeln zu geben, befahl Lucas den anderen drei Gruppen, unabhängig
voneinander zu verfahren, so daß er mit den drei Gruppen in
Wellen angreifen konnte. Inzwischen galt die ganze Aufmerksamkeit
der Tirpitz der ,4F`, und um 08:45 Uhr begann die Ar 196A den ersten
mehrerer vergeblicher Angriffe auf diese Maschine. Die Albacore
verzog sich jedesmal in die Wolken, und nur ein einziges Mal eröffnete
der Bordschütze das Feuer mit seinem doppelläufigen Vickers
K-MG und glaubte, die ,Arado` am Leitwerk beschädigt zu haben.
Das gleiche Flugzeug traf um 08:55 Uhr auf die ,4H` und verschoß
dabei seine letzte Munition auf die X 9138 K der 817. Staffel. Treffer
wurden erzielt auf der ,SK`, und der Beobachter, Sub-Lieutenant
(A) G. Dunworth, RNVR, wurde an den Beinen verwundet. Trotz der
Verletzung setzte Dunworth seine Navigations-und Fühlungshalteraufgaben
fort, bis der Torpedoangriff auf Tirpitz vorüber war.
Um 09:17 Uhr erspähte der Angriffsverband eine Wolkenlücke.
Tirpitz befand sich weniger als eine Meile entfernt von der Gruppe
Lucas. Sie befand sich an Steuerbord. Die drei anderen Gruppen flogen
ebenfalls an der Steuerbordseite des Ziels, denkbar schlecht plaziert,
falls Tirpitz, um den Torpedos auszuweichen, nach Backbord abdrehte.
Tirpitz eröffnete das Feuer nicht sofort, aber Friedrich Ihn
tat es, und Lucas entschied, sofort anzugreifen. Er glaubte, Tirpitz
zu überraschen, und wußte, daß alles nur verzögert
würde, wenn der Angriff von voraus erfolgen sollte. Die Geschützbedienungen
würden Zeit haben, ihre Gefechtsstationen einzunehmen und zum
Empfang bereit sein. Um 09:18 Uhr ging die führende Gruppe
(,4A', ,4B`, ,4C`) zum Angriff über, drehte nach Steuerbord
ein und löste um 09:20 Uhr und 30 Sekunden drei Torpedos auf
den Bb-Bug der Tirpitz. Die Entfernung beim Abwurf war 1740 m, der
Schnittpunkt lag auf dem Kurs der Tirpitz. Der dichteste 40 kn-Torpedo
kreuzte nach etwa 20 Sekunden in 137 m Entfernung das Kielwasser
des Ziels. Die Folge dieser Einzelaktionen in den Wolken war, daß
die nächste der von Stb anfliegenden Gruppen die 2. der 817.
Staffel (,5M`, ,SH`, ,4G`) war. Diese drei Flugzeuge wechselten
über zur Bb-Seite des Tirpitz-Kurses, um eine mögliche
Ausweichbewegung des Schlachtschiffes in dieser Richtung abzufangen.
Sie verließ die 2. Gruppe der 832. Staffel und die 1. der
817. Staffel mit einem großen Bogen nach Stb. Tirpitz drehte
jedoch rechtzeitig nach Bb, und der Gruppenführer unterschätzte
die Distanz seiner Torpedos (die Laufzeit, die sie hatten), um den
Kurs des Schlachtschiffes noch zu treffen, als Resultat daraus passierten
alle drei Torpedos, um 09:21 Uhr und 30 Sekunden gelöst, das
Heck. Die sechs Flugzeuge der ersten Gruppe entkamen ohne nennenswerte
Beschädigungen. Nachdem sie die ersten Angriffswellen überstanden
hatte, drehte Tirpitz nach Stb zurück und machte dabei einen
S-förmigen Schlenker. Die anderen beiden Gruppen hatten sich,
dank des Schlenkers, nach vorne setzen können. Gegen 09:25
Uhr und 30 Sekunden, als alle sechs ihre Torpedos abwarfen, waren
diese Albacore' in einem Fächer von 45° zur Tirpitz verteilt.
Die Abwurfentfernungen lagen zwischen 1830 und 900 m, obgleich die
Deutschen später die Entfernung mit wenigstens 400 m angegeben
haben. Ein Torpedo, wahrscheinlich von der ,5L` ging etwa 9,1 m
am Stb-Heck vorbei, alle anderen passierten in klarem Abstand. Begünstigt
durch den Wind, beschossen die ,Albacores` im Abdrehen noch die
Brücke und die ungeschützten Flakstände, wobei sie
die Kanoniere verwundeten.
Zwei Flugzeuge, die ,5C` (X 9020) der 817. Staffel, Pilot Sub-Lieutenant
R. C. Jonas, RNVR, und Beobachter Sivewright, sowie die ,4P` (T
9210) der 832. Staffel mit Sub-Lieutenant L. Brown und Beobachter
Hollowood, waren abgeschossen worden, wahrscheinlich im Augenblick
des Torpedoabwurfes.
Mehrere andere Flugzeuge der zweiten Welle wurden leicht beschädigt,
erreichten aber die Victorious und landeten gegen 11:00 Uhr vor
der 1. Welle und allen Aufklärern.
Das war die einzige Chance der Torpedobomber der Royal Navy, die
Tirpitz auf hoher See lahmzulegen. Der Kommandant der Victorious,
Captain H. C. Bovell, RN, tadelte den Verbandsführer, daß
er den Angriff zu früh begonnen hatte mit seinen anderen Gruppen,
und daß die Angriffe aus ungünstigen Positionen heraus
stattgefunden hatten. Lieutenant P. G. Sugden, DSC, RN, hatte die
zweite Welle in eine günstige Position geführt und war
nahe genug herangekommen, um Chancen für einen Treffer zu haben.
Wären alle 12 Albacores so geführt worden, wäre das
Entkommen des Schiffes schon schwieriger gewesen. Die übermäßig
große Entfernung, in der die Torpedos geworfen wurden, ist
nicht nur den Flugzeugbesatzungen anzulasten. Das Abschätzen
der Entfernung zu schnellen und beweglichen Zielen, wie Schiffen,
kann nur aufgrund von Erfahrungen gelernt werden, und schon seit
Monaten hatte es die Royal Navy versäumt, Großkampfschiffe
abzustellen, damit an ihnen Zielübungen der Torpedobomber durchgeführt
werden konnten.
Nachdem sie die Torpedoangriffe der Staffeln der Victorious überstanden
hatten, erreichten Tirpitz und Friedrich Ihn im Laufe des Nachmittags
am 9. März Narvik. Wenn Adm Tovey und Captain Bovell auch nicht
zufrieden waren mit dem Angriff, die Tirpitz war es. Soweit sie
es beobachtet hatte, war sie von insgesamt 25 Swordfish angegriffen
worden, die jeweils zwei Torpedos abgeworfen hatten. Einige davon
hatten ihre erst auf ca. 200 m gelöst. Die Flak hatte insgesamt
345 Schuß 10,5 cm, 4269 Schuß 37 mm und 20 mm verschossen,
die MA etwa ein Dutzend Schüsse, während die 38 cm zwei
volle Breitseiten gezieltes Sperrfeuer und zwei Salven Fernsperrfeuer
abgegeben hatte. Drei ,Swordfish` waren abgeschossen und viele beschädigt
worden. Tirpitz war unbeschädigt entkommen, aber die Erfahrungen
dieses Angriffs erschreckten die SKL. Großadmiral Raeder stellte
die ursprüngliche Idee dieses Einsatzes in Frage, in dessen
Verlauf lediglich ein Einzelfahrer versenkt worden war. Hitler sah
das alles wesentlich positiver, jedoch mit der Einschränkung,
daß Tirpitz nie wieder in dieser Art zum Einsatz kommen sollte,
wenn der Standort der Flugzeugträger der Home Fleet nicht eindeutig
klar war. Das Schlachtschiff war ein Abschreckungsmittel gegen eine
britische Invasion in Norwegen und war als solches eingeplant, und
keine Handelskriegsoperation würde seinen Verlust rechtfertigen.
Zwei wesentliche Punkte maritimer Strategie entgingen der Aufmerksamkeit
Hitlers dabei nicht - die offensive Kampfkraft, die von einem Flugzeugträger
ausging und die unbehelligte Ankunft des PQ 12 in nordrussischen
Häfen. Um dem britischen Vorteil im ersten Fall zu begegnen,
befahl er, die Fertigstellung des Flugzeugträgers Graf Zeppelin
zu forcieren und den unfertigen Schweren Kreuzer Seydlitz sowie
das Passagierschiff Potsdam zu Flugzeugträgern umzubauen.
Die Konsequenz, mit der die PQ-Geleitzüge ihre Aufgabe wahrnahmen,
beeinflußte das Kriegsgeschehen an der Ostfront erheblich,
und das Problem wurde nun sofort angepackt. Durch die Überführung
von zwei neuaufgestellten Torpedobombergeschwadern (KG 26 und KG
30) sowie einer Gruppe ,Fw 200 C'-Fernaufklärer (1/KG 40) wurde
die Luftwaffe in Nordnorwegen verstärkt. Die letzteren kamen
aus Bordeaux nach Trondheim, und ihr Abzug dort schwächte die
Aufklärung im Atlantik. Zugleich wurden Uboote nach Norwegen
verlegt. Hitler verlangte einmal sogar, alle Frontboote in diesen
Raum zu verlegen. Das wurde aber widerrufen, und die Gesamtzahl
der Boote in Norwegen betrug dann 20% der Frontboote.
Tirpitz verließ Narvik am 12. März und erreichte Trondheim
am folgenden Abend. In diesem Bereich patrouillierten vier alliierte
Uboote und sieben Zerstörer der Home Fleet und suchten in den
frühen Stunden des 13. März vor Horten Leuchtfeuer. Wegen
des herrschenden schlechten Wetters blieb alles ohne Erfolg. Nachdem
Tirpitz in Trondheim ihren Brennstoff ergänzt hatte, wurde
festgestellt, daß der kurze Einsatz (einschließlich
der Zerstörer) insgesamt 8100 ts Heizöl gekostet hatte.
Das machte die Vorratslager in Tromsö und Trondheim ziemlich
leer. Die deutsche Handelsmarine und auch der Marineunterstützungsverband
war nicht gerade gut ausgerüstet mit großen Tankern,
die Versorgung der Brennstofflager für die wachsende Zahl der
großen Einheiten in Norwegen wurde ein großes Problem.
Tirpitz allein verbrauchte schon nahezu 1200 ts pro Monat, nur um
in einem Fjord zu liegen und Waffenausbildung zu betreiben. Der
Brennstoff wurde vom Tanker Nordmark übernommen, der wiederum
von anderen Tankern versorgt werden mußte, die ihrerseits
durch Uboote und Luftangriffe gefährdet waren.
Bis dahin hatte Tirpitz unbehelligt - wie im Frieden - auf ihrem
Ankerplatz gelegen. Sie lag direkt am steilen Ufer und war geschützt
durch Sperren und Torpedonetze und somit ein schwieriges Ziel, hinzu
kam das norwegische Wetter, das ihr ebenfalls einen gewissen Schutz
bot.
Sieben Short Stirling der 15. Staffel und neun ,Handley Page Halifax'
der 76. Staffel des RAFBomberkommandos versuchten in der Nacht vom
30./31. Januar 1942 einen Angriff, der wegen des schlechten Wetters
jedoch ein völliger Fehlschlag war. Zwei Monate später
scheiterte ein Angriff von 34 Halifax an der totalen Vernebelung.
Eine ,Halifax` der 76. Staffel bombardierte die Tirpitz, aber die
1818 kg-Bombe mittlerer Sprengkraft und weitere vier 227 kg-Sprengbomben
gingen in einiger Entfernung daneben. Sechs Halifax kehrten nicht
zurück. Der Angriff vom 30./31. März 1942 war vorgesehen
als Teil des Sicherungssystems für den Geleitzug PQ 13, der
zwei Schiffe durch Flugzeuge, zwei durch Uboote und eines durch
Zerstörer verlor. Vom PQ 14 ging nur ein Schiff verloren. Das
war im April, und der Verursacher war ein Uboot. Zur gleichen Zeit
verlor der QP 10 vier Schiffe durch Flugzeuge und Uboote. Als Ende
April PQ 15 und QP 11 auf dem Weg waren, wurde ihre Sicherung verstärkt
und die RAF gleichzeitig aufgefordert, offensiv zu werden. Zu dieser
Zeit jedoch verfügte das Bomberkommando nur über wenige
brauchbare Bomben und entsprechende Flugzeuge, und diese wurden
vornehmlich benötigt für die Bombardierung der deutschen
Städte und Wohngebiete. Die 226,8 kg- und 113,4 kg-Panzersprengbomben
mittlerer Wirkung, die vom Küstenkommando zur Bombardierung
von Schiffen verwendet wurden, waren zu leicht für die Tirpitz,
und mit der 1814,4 kg-"Block-Buster" (Bunkerknacker/Luftmine)
verhielt es sich ähnlich. Diese Bombe mit dünner Hülle
und ohne Durchschlagskraft würde schon beim Aufprall auf dem
Wasser detonieren und hatte keine "Minenwirkung" bei einem
Nahtreffer. Da Kriegsschiffe nur durch Wasserfluten versenkt werden
konnten, war es erforderlich, eine Art Unterwasserwaffe zu entwickeln.
Im März erhielt die RAF von der Royal Navy etwa 100 Ubootminen
des Typs Mark XIX. Diese wurden für den Abwurf von Flugzeugen
dahingehend verändert, daß die Gewichte und der Ankermechanismus
ausgebaut wurden. Gleichzeitig wurde ein Wasserdruckauslöser
installiert, der so eingestellt war, daß er in 9 Meter Tiefe
eine 45,45 kg-Ladung Minol zur Zündung brachte. Obwohl die
Mine ein Gewicht von 454,4 kg hatte, waren weder die Größe
der Sprengladung noch die Detonationstiefe groß genug, bemerkenswerte
Schäden herbeizuführen.
Tirpitz lag immer noch, dicht unter Land, im Faettenfjord, als
in der Nacht vom 27./28. April 26 ,Halifax` der 4. Gruppe und 10
,Lancaster` der 5. Gruppe des Bomberkommandos in zwei Wellen angriffen.
Es war eine klare Mondnacht. Die erste Welle flog in einer Höhe
von 1200 bis 1800 m an und warf ihre 1814,4 kg-, 226,8 kg- und 113,4
kg-Bomben auf das Ziel. Es wurden lediglich einige Nahtreffer erzielt.
Die zweite Welle, 11 Halifax der 76. Staffel, warf jeweils vier
Minen aus geringer Höhe. Keine detonierte nahe genug, um die
Tirpitz zu beschädigen. Der Anflug der Bomber wurde durch eine
dichte Nebelwand behindert, die das Zielen sehr erschwerte. Andere
Ziele im Raum Trondheim wurden ebenfalls angegriffen, und zwar von
Flugzeugen, die die Tirpitz gar nicht erst gefunden hatten. Vier
Halifax und eine Lancaster kehrten nicht zurück.
In der folgenden Nacht wiederholten 23 Halifax und 11 Lancaster
den Angriff. Von diesen griffen 30 die Tirpitz und eine die Prinz
Eugen und die Admiral Scheer an. Wieder wurden keine Treffer erzielt
auf dem Schlachtschiff, obwohl eine Halifax glaubte, sie mit einer
Mine beschädigt zu haben. Zusätzlich zu den Angriffskräften
auf die Tirpitz hatte das Bomberkommando einen Verband abgestellt,
der die Aufgabe hatte, die Flakabwehr auszuschalten. Es waren 10
Lancaster und neun Halifax, und dank ihrer Aufmerksamkeit kehrten
nur zwei Flugzeuge nicht zurück. Die Deutschen waren von diesen
konventionellen Luftangriffen wenig beeindruckt, aber die Verwendung
der Minen gab ihnen zu denken. Die Entdeckung einiger Minen an den
steilen Fjordwänden und im flachen Wasser des Ufers machte
sie glauben, daß sie speziell geworfen worden waren, um unter
die Tirpitz zu rollen. In Wahrheit hatte diese Absicht nie bestanden,
aber von da an wurde der Ankerplatz der Tirpitz mit tiefherabreichenden
Netzen umgeben, die die Aufgabe hatten, abrollende Sprengladungen,
die auf Land geworfen wurden, abzufangen.
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