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Focus-Bericht Tirpitz 2004 (Hintergrund), erstellt von Karl-Hubert Zeun

Die Schlachtschiffe der "Bismarck"-Klasse

Mit dem Abschluß des Washingtoner Flottenabkommens hatte sich das Deutsche Reich verpflichtet, beim Bau neuer Einheiten entsprechende Grenzen einzuhalten. So waren Schlachtschiff-Neubauten auf max. 35.000 ts (engl. Tonne = 1.016 kg) begrenzt. Gleichzeitig hatte Deutschland akzeptiert, nur 35% des britischen Flottenvolumens zu besitzen. Was die Tonnage-Beschränkungen angeht, wurde von Beginn an gegen diese Auflagen verstoßen. Anfangs wurden beiderseitige Verstöße geschickt kaschiert. Später ließen die Vertragsparteien ihren Planungen freien Lauf. Deutscherseits hatte man sich zum Aufbau einer gewaltigen Flotte entschlossen (der sog. Z-Plan), deren Realisierung Ende der 40er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts abgeschlossen sein sollte. Die ersten Vertreter waren die Schlachtschiffe der "Bismarck"-Klasse, die beide mit einer Größe von deutlich über 50.000 ts zu ihrer Zeit die größten Kriegsschiffe der Welt waren, waffentechnisch auf dem modernsten Stand und jedem ihrer damaligen Gegner überlegen, wie dann auch die Vernichtung des britischen Schlachtkreuzers "Hood" am 24. Mai 1941 in der Dänemarkstraße nördlich von Island nachhaltig unter Beweis stellte. Churchill selbst nahm die Verfolgungsaktion gegenüber der "Bismarck" in die Hand und forderte von seinen Befehlshabern die Ausschaltung dieses gefährlichen Gegners, auch unter Eingehen höchster Risiken. Gegen eine vielfache Übermacht mußte sich die "Bismarck" am 27. Mai 1941 500 sm nordwestlich von Brest (franz. Altantikküste) selbst versenken.

Die Verluste der Deutschen Kriegsmarine führten letztlich dazu, daß Adolf Hitler in Erwägung zog, alle großen Einheiten außerdienstzustellen und abzuwracken. Der Marineführung gelang es jedoch, diesen "unabänderlichen Entschluß" des Diktators zumindest teilweise zu entschärfen. "Tirpitz" aber wurde nach Norwegen verlegt, um von dort aus mit anderen schweren Einheiten der Kriegsmarine gegen die Geleitzüge im Nordmeer zu operieren.

Als Seeschiffe waren die Einheiten der "Bismarck"-Klasse technische Meisterleistungen ihrer Zeit. Die starke Aufteilung in zahlreiche wasserdichte Abteilungen machten die beiden "Schwestern" nahezu unsinkbar. Und die hochmoderne Panzerung aus hochwertigen, innovativen Metallverbindungen verhinderte, daß lebenswichtige Teile des Schiffes durch Beschuß gegnerischer Schiffe entscheidend in Mitleidenschaft gezogen werden konnten. Geschaffen wurden beide Schlachtschiffe, um im Atlantik gegen alliierte Schiffe zu operieren und Großbritannien vom Nachschub von Waffen und Versorgungsgütern abzuschneiden.

Angesichts der zu Kriegsbeginn zahlenmäßig dennoch recht kleinen deutschen Flotte verlegte sich das Oberkommando der Kriegsmarine auf eine Nadelstichtaktik, die letztlich dazu führte, daß die britische Royal Navy unverhältnismäßig viele Begleitschiffe ihren Geleitzügen zur Sicherung mitgeben mußte, Einheiten, die dann anderenorts fehlten. Insgesamt aber war die deutsche Flotte zu schwach, um mehr als punktuelle Erfolge gegen die Seemacht Großbritannien zu erfechten. Insbesondere aus der Luft waren gerade die großen Schiffe der kriegführenden Nationen mit zunehmender Dauer des II. Weltkrieges immer mehr den massierten Angriffen durch Bomber ausgesetzt. Da Deutschland weder über eine Marineluftwaffe noch über einsatzfähige Flugzeugträger verfügte, war es eine Frage der Zeit, wann denn auch das größte deutsche Kriegsschiff der Lufthoheit der Alliierten zum Opfer fallen würde.

Bücher zum Thema:

- Versenkt die "Tirpitz" (Leonce Peillard), Paul Neff Verlag
- Von der "Emden" zur "Tirpitz" (Siegfried Breyer/Gerhard Koop), Verlag Bernard & Graefe
- Die Schlachtschiffe der "Bismarck"-Klasse (Siegfried Breyer), Verlag Bernard & Graefe
- Die Deutsche Kriegsmarine 1935 - 1945 (Ulrich Elfrath), Podzun-Pallas-Verlag u.v.a.m.

Quellenangaben:

- www.schlachtschiff.com
- War Imperial Museum
- John Asmussen, Norwegen
- privat